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DMK 1
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DMK 1 – Umgang mit wissenschaftlichen Texten

29. April 2026DMK 1

Zusammenfassung

Dieses Praktikum (Wissenschaftliche Basics II) vermittelt Strategien für den systematischen Umgang mit wissenschaftlicher Literatur. Ausgehend von einer Wiederholung des Zitierens und Bibliografierens wird die Unterscheidung zwischen kursorischem (überfliegendem) und analytischem (verstehendem) Lesen eingeführt. Als strukturiertes Werkzeug für das Lesen wissenschaftlicher Texte wird die PQ4R-Methode vorgestellt: Preview, Questions, Read, Reflect, Recite, Review. Praktisch angewendet wird das Gelernte am McLuhan-Text von Kloock & Spahr.

Schlüsselbegriffe

Kursorisches Lesen

Überfliegen eines Textes ohne Erfassung jedes Details. Ziel: Argumentationsstruktur und Aufbau einschätzen. Bei Monografien: Inhaltsverzeichnis, Einleitung, Fazit; bei Aufsätzen: Abstract, Zwischenüberschriften, erste Sätze der Abschnitte; bei Literaturverzeichnissen: Quellen für eigene Recherche entdecken.

Analytisches Lesen

Genaues, verstehendes Lesen eines Textes oder Abschnittes. Leitfragen: Welches Problem wird behandelt? Wie ist die Argumentation aufgebaut? Welcher Theorieansatz liegt zugrunde? Welche Schlussfolgerungen werden gezogen?

PQ4R-Methode

Strukturierte Lesestrategie in sechs Phasen: Preview (Überfliegen), Questions (Fragen formulieren), Read (kursorisch + analytisch lesen), Reflect (reflektieren), Recite (wiedergeben/exzerpieren), Review (Rückblick). Ermöglicht systematisches und nachhaltiges Textverständnis.

Exzerpt

Schriftliche Wiedergabe der Kernaussagen eines Textes in eigenen Worten. Entsteht in der Recite-Phase der PQ4R-Methode. Beantwortet die vorher formulierten Fragen und hält die wichtigsten Informationen fest.

Analytische Leitfragen

Orientierungsfragen beim genauen Lesen: Problem/Fragestellung (Was wird untersucht?), Vorgehen (Wie wird argumentiert?), Theorie (Welcher Ansatz liegt zugrunde?), Fazit (Welche Schlussfolgerungen werden gezogen? Gibt es Gegenthesen?).

Markierungen im Text

Selektives Hervorheben beim analytischen Lesen: nur einzelne Begriffe markieren, niemals ganze Sätze oder Absätze. Verschiedene Farben helfen, zentrale Begriffe, Aufzählungen und Definitionen zu unterscheiden.

Randnotizen

Abkürzungsbasierte Anmerkungen am Textrand zur Gliederung (E=Einleitung, T=These, Ag1=Argument 1, K=Kritik, Zfg=Zusammenfassung) und für Kommentare (X=Widerspruch, ✓=Zustimmung, ?=Unklarheit, !=wichtige Textstelle).

1. Wiederholung: Direktes und indirektes Zitat

Klausurrelevant
Jeder fremde Gedankengang muss in wissenschaftlichen Texten kenntlich gemacht werden – unabhängig davon, ob wörtlich oder sinngemäß zitiert wird. Keine Quellenangabe = Plagiat.
Direktes ZitatIndirektes Zitat
FormWörtliche Übernahme in AnführungszeichenSinngemäße Wiedergabe in eigenen Worten
BelegAutor:in Jahr: Seitenzahlvgl. Autor:in Jahr: Seitenzahl
WannExakte Formulierung ist entscheidendKernaussage/Gedanke ist entscheidend

2. #howto: Bibliografieren

Das Literaturverzeichnis enthält alle im Text zitierten Quellen in vollständiger Form. Das Format richtet sich nach dem Quellentyp (nach Harvard-Zitierweise der THM):
Monografie:
Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Ort: Verlag.
Sammelbandbeitrag:
Nachname, Vorname (Jahr): Titel des Beitrags. In: Herausgeber:in (Hrsg.): Titel des Sammelbandes. Ort: Verlag, S. X–Y.
Zeitschriftenartikel:
Nachname, Vorname (Jahr): Titel des Artikels. In: Zeitschriftenname Jg./Nr., S. X–Y.
Internetquelle:
Nachname, Vorname (Jahr): Titel. URL [Zugriff: TT.MM.JJJJ].
Info
Literaturverwaltungsprogramme (Citavi, Zotero, Mendeley) helfen bei der Organisation und automatischen Formatierung von Quellen.

3. McLuhan & The Medium is the Message – Textarbeit

Als praktische Anwendung des wissenschaftlichen Lesens wird der Text Magische Kanäle – Marshall McLuhan von Daniela Kloock und Angela Spahr bearbeitet.
Gruppenaufgabe (3–4er Teams, 30 Minuten):
  1. Was ist die Kernthese des Textes? (in einem Satz zusammenfassen)
  2. Wie ist der Text aufgebaut? Was sind die 4–5 Hauptthemen/Aspekte?
  3. Wie gehen die Autor:innen vor, um ihre Aussagen darzulegen? Worauf stützt der Text seine zentralen Argumente/Thesen?

4. Umgang mit Literatur – Lesen mit System

Wissenschaftliche Texte werden in zwei Stufen gelesen:

Stufe 1: Kursorisches Lesen (Überfliegen)

Ziel: Relevanz und Struktur einschätzen, bevor man sich vertieft.
TexttypVorgehen
MonografieInhaltsverzeichnis, Einleitung, Fazit/Schluss; ggf. ersten Absatz eines Kapitels
Aufsatz/ArtikelAbstract/Zusammenfassung, Zwischenüberschriften, Einleitung, Fazit, erste Sätze der Abschnitte
LiteraturverzeichnisQuellen sichten, neue relevante Titel entdecken
→ Sobald ein relevanter Text/Abschnitt identifiziert wurde: analytisches Lesen.

Stufe 2: Analytisches Lesen

Ziel: Argumentation nachvollziehen und Thema verstehen.
Leitfragen fürs analytische Lesen:
  • Problem und Fragestellung: Welches Problem wird aufgegriffen? Welche Fragestellung? Beitrag zum Forschungsstand?
  • Vorgehen: Wie ist die Argumentation aufgebaut? Welche Methode? Welche zentralen Begriffe?
  • Theorie: Welcher Theorieansatz liegt zugrunde?
  • Fazit: Welche Schlussfolgerungen? Mögliche Gegenthesen?

5. PQ4R-Methode

Die PQ4R-Methode ist eine strukturierte Lesestrategie für wissenschaftliche Texte in sechs Phasen:

Preview – Überfliegen

Tun:
  • Text kurz ansehen, durchblättern
  • Titel und Untertitel/Zwischenüberschriften lesen
Fragen:
  • Was fällt beim Überfliegen schon auf?
  • Erkenne ich eine Struktur?
  • Interessieren mich anhand der Titel schon Themen?

Questions – Fragen stellen

Tun:
  • 1–2 allgemeine Fragen an den Text formulieren
  • Ggf. abschnittsweise Fragen notieren
  • Überschriften in Fragen umformulieren
Fragen:
  • Worauf könnte der Text eine Antwort geben?
  • Welche Punkte im Text sind relevant für die Aufgabe?

Read – Lesen (kursorisch + analytisch)

Kursorisch:
  • Zunächst quer lesen: ersten Satz eines Absatzes (bei kurzen Sätzen: die beiden ersten; bei langen Absätzen: ersten und letzten Satz)
  • Zügig durch den Text, Anmerkungen zu den formulierten Fragen
Analytisch:
  • Abschnitt für Abschnitt genauer durchlesen
  • Max. 7 wichtigste Begriffe eines Absatzes unterstreichen/umkreisen
  • Kurze zusammenfassende Kommentare, Abkürzungen am Rand
Markierungen (Read):
Nur einzelne Begriffe markieren – niemals ganze Sätze oder Absätze. Verschiedene Farben für:
  • Zentrale Begriffe
  • Aufzählungen und Beispiele
  • Wichtige Sachverhalte und Definitionen
Randnotizen (Read):
FunktionBeispieleAbkürzung
GliederungEinleitungE
TheseT
FrageF
ArgumentAg1, Ag2…
KritikK
ZusammenfassungZfg
ZitatZi
SchlussSch
KommentareWiderspruchX
Zustimmung
Unklarheit?
Wichtige Textstelle!

Reflect – Reflektieren

Tun:
  • Lesepause machen
  • Informationen aus dem Text rekapitulieren
  • Gelesenes mit eigenem Vorwissen in Beziehung setzen
  • Ggf. mit anderen über den Text sprechen
Fragen:
  • Welche Informationen habe ich konkret entnommen?
  • Was war neu? Was habe ich nicht verstanden?
  • Welche Beispiele aus dem Alltag kann ich verknüpfen?

Recite – Wiedergeben (Exzerpt)

Tun:
  • Gelesenes zusammenfassen
  • Abschnitt für Abschnitt in eigenen Worten die Kernaussage notieren
  • Aussagen miteinander in Beziehung setzen
  • Die vorher formulierten Fragen beantworten
Ergebnis: Exzerpt – schriftliche Zusammenfassung in eigenen Worten
Fragen:
  • Was ist die Grundaussage des Absatzes?
  • Kann ich die einzelnen Aussagen miteinander verbinden?

Review – Rückblick

  • Wichtige Punkte des gesamten Kapitels/Textes noch einmal gedanklich aufrufen
  • Buch/Text ggf. dabei schließen
Tipp
Die PQ4R-Methode ist am effektivsten, wenn alle sechs Phasen konsequent durchlaufen werden. Besonders Reflect und Recite werden häufig übersprungen – sie sind aber entscheidend für das nachhaltige Behalten.

Lernkarten

Frage

Wofür steht die Abkürzung PQ4R?

Antwort

Preview (Überfliegen), Questions (Fragen stellen), Read (Lesen – kursorisch und analytisch), Reflect (Reflektieren), Recite (Wiedergeben/Exzerpt), Review (Rückblick). Eine strukturierte Lesestrategie für wissenschaftliche Texte.

Frage

Was unterscheidet kursorisches von analytischem Lesen?

Antwort

Kursorisches Lesen ist ein gezieltes Überfliegen zur Struktur- und Relevanzeinschätzung (Abstract, Überschriften, erste Sätze). Analytisches Lesen bedeutet genaues, verstehendes Durcharbeiten des Textes Abschnitt für Abschnitt mit Leitfragen, Markierungen und Randnotizen.

Frage

Was sind die vier analytischen Leitfragen beim Lesen wissenschaftlicher Texte?

Antwort

1. Problem/Fragestellung: Was wird untersucht? 2. Vorgehen: Wie ist die Argumentation aufgebaut? 3. Theorie: Welcher Theorieansatz liegt zugrunde? 4. Fazit: Welche Schlussfolgerungen werden gezogen, gibt es Gegenthesen?

Frage

Was ist ein Exzerpt und in welcher PQ4R-Phase entsteht es?

Antwort

Ein Exzerpt ist eine schriftliche Wiedergabe der Kernaussagen eines Textes in eigenen Worten, das die vorher formulierten Fragen beantwortet. Es entsteht in der Recite-Phase (5. Schritt) der PQ4R-Methode.

Frage

Was ist beim Markieren im analytischen Lesen zu beachten?

Antwort

Nur einzelne Begriffe markieren – niemals ganze Sätze oder Absätze. Verschiedene Farben helfen, zentrale Begriffe, Aufzählungen/Beispiele und wichtige Definitionen zu unterscheiden.

Übungsfragen

In welcher Phase der PQ4R-Methode wird das Exzerpt erstellt?

Welches Vorgehen empfiehlt sich beim kursorischen Lesen eines Aufsatzes?

Was bedeutet die Randnotiz 'Ag2' beim analytischen Lesen?