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DMK 1
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Zitieren und Bibliographieren

22. April 2026DMK 1

Zusammenfassung

Dieses Praktikum vermittelt die Grundlagen des wissenschaftlichen Zitierens und Bibliographierens nach der THM-spezifischen Harvard-Zitierweise. Jeder fremde Gedankengang muss in wissenschaftlichen Arbeiten kenntlich gemacht werden – durch direktes (wörtliches) oder indirektes (sinngemäßes) Zitat mit Kurzbeleg im Text. Die vollständigen Quellenangaben gehören ins Literaturverzeichnis, dessen Format je nach Quellentyp (Monografie, Sammelband, Zeitschrift, Internet) variiert. Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi, Zotero oder Mendeley unterstützen bei der Organisation.

Schlüsselbegriffe

Direktes Zitat

Wörtliche, originalgetreue Wiedergabe eines Textes in doppelten Anführungszeichen. Veränderungen am Original werden mit eckigen Klammern [...] gekennzeichnet.

Indirektes Zitat

Sinngemäße Wiedergabe einer Aussage in eigenen Worten, ohne Anführungszeichen. Beginnt im Kurzbeleg mit vgl. – häufiger als wörtliche Zitate.

Kurzbeleg

Quellenangabe direkt im Text nach der Harvard-Zitierweise: (Nachname Jahr: Seite) für direkte und (vgl. Nachname Jahr: Seite) für indirekte Zitate.

Harvard-Zitierweise

Amerikanisches Zitiersystem mit Kurzbelegen im laufenden Text und vollständigen Angaben im Literaturverzeichnis. Wird an der THM verbindlich eingesetzt.

Literaturverzeichnis

Alphabetisch nach Nachnamen sortierte Liste aller zitierten Quellen mit vollständigen bibliografischen Angaben. Im Kurzbeleg steht nur der Verweis.

Monografie

Selbstständige Buchpublikation eines oder mehrerer Autor*innen. Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. [Auflage]. Ort.

Sammelband

Buch mit Beiträgen verschiedener Autor*innen, herausgegeben von Herausgeber*innen (Hrsg.). In der Regel werden einzelne Aufsätze daraus zitiert, nicht der gesamte Band.

ebd. / vgl. ebd.

Abkürzung für ebenda: wird verwendet, wenn dieselbe Quelle unmittelbar wiederholt zitiert wird. Direkt: ebd. – Indirekt: vgl. ebd.

Kernkonzepte

Warum überhaupt zitieren?

In wissenschaftlichen Arbeiten muss jeder Gedankengang, der nicht von der Autorin oder dem Autor selbst stammt, als solcher kenntlich gemacht werden. Dafür gibt es fünf Hauptgründe:
  1. Anerkennung der Quellen – Autor*innen, deren Ideen verwendet werden, verdienen Anerkennung.
  2. Glaubwürdigkeit aufbauen – Zitate aus vertrauenswürdigen Quellen belegen, dass die eigenen Argumente auf solider Forschung basieren.
  3. Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit – Andere können die Arbeit anhand der Quellenangaben prüfen.
  4. Teilnahme am wissenschaftlichen Diskurs – Zitate verknüpfen die eigene Arbeit mit dem bestehenden Forschungsstand.
  5. Vermeidung von Plagiaten – Korrekte Zitation ist ethisch unerlässlich.
Klausurrelevant
Jeder fremde Gedanke muss als solcher gekennzeichnet sein – egal ob wörtlich übernommen oder sinngemäß zusammengefasst.

Direktes vs. indirektes Zitat

Direktes, wörtliches Zitat

  • Text wird originalgetreu wiedergegeben (inklusive Fehler, alter Rechtschreibung etc.)
  • Steht in doppelten Anführungszeichen
  • Längere wörtliche Zitate sollten vermieden werden
  • Kurzbeleg hinter dem Zitat: (Nachname Jahr: x-x)
  • Veränderungen am Original (z.B. grammatische Anpassung) in eckigen Klammern: […]
Beispiel: Taddicken und Schmidt gehen davon aus, dass "[…] vernetzte Individualität [als] ein grundlegendes Muster der Vergesellschaftung [...]" (Taddicken/Schmidt 2016: 5) angesehen wird.

Indirektes, sinngemäßes Zitat

  • Aussage wird sinngemäß in eigenen Worten wiedergegeben
  • Steht nicht in Anführungszeichen
  • Kommt häufiger vor als wörtliche Zitate
  • Kurzbeleg am Ende des Satzes, beginnt mit „vgl.": (vgl. Nachname Jahr: x-x)
Tipp
Faustregel: Direkte Zitate sparsam einsetzen – nur wenn der genaue Wortlaut entscheidend ist. Für alles andere gilt das indirekte Zitat.

Kurzbelege im Text (Harvard-System)

Quellen werden nach der amerikanischen Harvard-Zitierweise als Kurzbeleg im Text angegeben:
SituationFormat
1 Autor*in(Nachname Jahr: Seite)
Mehr als 3 Autor*innen(Erster Nachname u.a. Jahr: Seite)
Direkte Wiederholung derselben Quelle(ebd.) oder (vgl. ebd.)
Mehrere Quellen zu einer Aussage(vgl. Autor A Jahr: x; vgl. Autor B Jahr: x)
Gleicher Autorin, gleiches Jahr(Autor Jahra: x) und (Autor Jahrb: x)
Achtung
Internetquellen stehen im Kurzbeleg ohne URL und Abrufdatum – diese Angaben gehören nur ins Literaturverzeichnis.

Besonderheit: Internet- und Audioquellen

  • Autor*in: Falls keine Autorin genannt, Institution oder Unternehmen angeben (siehe Impressum)
  • Erscheinungsjahr: ggf. Datum der letzten Aktualisierung
  • Seitenangabe: Bei PDFs mit Seitenzahl, sonst ohne
  • Audio-/Videobeiträge: Statt Seite wird die Zeit angegeben, z.B. (0:15-0:45)
Info
Flüchtige Onlinequellen (z.B. Social-Media-Posts, Webseiten) sollten als Screenshot oder Datei gesichert werden, damit sie bei einer Überprüfung noch nachweisbar sind.

Literaturverzeichnis: Aufbau und Regeln

Das Literaturverzeichnis enthält alle zitierten Quellen mit vollständigen Angaben:
  • Alphabetisch nach Nachname sortiert, bei gleicherm Autorin zeitlich aufsteigend
  • Angabe: Nachname, Vorname – Erscheinungsjahr – Titel – Erscheinungsort
  • Bei Sammelbänden: Herausgeber*in (Hrsg.) + Titel des Sammelwerks
  • Bei Zeitschriften: Zeitschriftentitel + Jahrgang/Band + Heftnummer
  • Bei Onlinequellen: vollständige URL + Abrufdatum (TT.MM.JJJJ)
  • Auflage nur ab der 2. Auflage angeben
  • Bei Sammelbänden oder Zeitschriften: Anfangs- und Endseite des Beitrags

Verschiedene Quellentypen: Schemata und Beispiele

Monografie

Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. [Auflage]. Ort.
McLuhan, Marshall (1994): Die magischen Kanäle. 2. Auflage. Dresden, Basel.

Sammelband (Herausgeber*innen-Werk)

Schema: Nachname, Vorname (Hrsg.) (Jahr): Titel. Untertitel. [Auflage]. Ort.
Bruns, Karin/Reichert, Ramon (Hrsg.) (2007): Neue Medien. Texte zur digitalen Kultur und Kommunikation. Bielefeld.
Klausurrelevant
In der Regel zitiert man nur Aufsätze aus Sammelbänden, nicht den ganzen Band. Den Sammelband selbst nur angeben, wenn z.B. das Vorwort der Herausgeber*innen zitiert wird.

Aufsatz aus Sammelband

Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Aufsatztitel, in: Nachname, Vorname (Hrsg.): Titel des Sammelwerks. [Band]. [Auflage]. Ort. Seitenzahl.
Woletz, Julie/Joisten, Martina (2013): Usability-Verfahren zwischen ökonomischen Interessen und Nutzerwünschen, in: Passoth, Jan/Wehner, Jürgen (Hrsg.): Quoten, Kurven und Profile. Zur Vermessung der sozialen Welt. Wiesbaden. S. 169-178.

Aufsatz aus Zeitschrift

Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Aufsatztitel, in: Titel der Zeitschrift. Jahrgang oder Band. Heftnummer. Seitenzahl.
Bernhard, Ulf/Holger, Ingo (2008): Neue Medien – neue Modelle? Überlegungen zur zukünftigen kommunikationswissenschaftlichen Modellbildung, in: Studies in Communication Sciences. Journal of the Swiss Association of Communication and Media Research. Jg. 8. Nr. 2. S. 221-250.

Statistik von Statista (Onlineportal)

Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Titel der Statistik, in: Statista. URL (TT.MM.JJJJ).

Internetquelle (z.B. PDF)

Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Aufsatztitel. Untertitel. URL (TT.MM.JJJJ).

Internetquelle (Portal/Plattform)

Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Video-, Text- oder Bildtitel. Untertitel, in: Website-Portal/Plattform. URL (TT.MM.JJJJ).

App

Schema: Name der App (Jahr des letzten Softwareupdates): aussagekräftiger Titel. Untertitel.

Literaturverwaltungsprogramme

Zur Unterstützung beim Organisieren von Quellen empfehlen sich:
  • Citavi – umfassende Software (THM bietet Einführungsveranstaltungen am Lernort+)
  • Zotero – kostenfreie Alternative
  • Mendeley – kostenfreie Alternative
Achtung
Literaturverwaltungsprogramme erzeugen oft eigene Zitierstile. Immer das Format manuell an die THM-spezifische Harvard-Zitierweise anpassen!

Lernkarten

Frage

Was ist der Unterschied zwischen direktem und indirektem Zitat?

Antwort

Direktes Zitat: wörtlich, originalgetreu, in Anführungszeichen, Kurzbeleg ohne vgl. – Indirektes Zitat: sinngemäß in eigenen Worten, keine Anführungszeichen, Kurzbeleg beginnt mit vgl.

Frage

Wie sieht der Kurzbeleg eines indirekten Zitats aus?

Antwort

(vgl. Nachname Jahr: Seite) – z.B. (vgl. McLuhan 1964: 22). Das vgl. zeigt an, dass es sich um eine sinngemäße Paraphrase handelt.

Frage

Was bedeutet ebd. im Kurzbeleg?

Antwort

Ebenda: die Quelle ist dieselbe wie die unmittelbar vorher genannte. Direkt: (ebd.) – Indirekt: (vgl. ebd.).

Frage

Wie werden Veränderungen in einem direkten Zitat kenntlich gemacht?

Antwort

Mit eckigen Klammern [...]. Auslassungen: [...] – Grammatische Anpassungen oder Ergänzungen: [angepasstes Wort] oder [Ergänzung].

Frage

Was gehört im Kurzbeleg bei Internetquellen NICHT hin?

Antwort

URL und Abrufdatum. Diese gehören ausschließlich ins Literaturverzeichnis, nicht in den Kurzbeleg im Text.

Frage

Was ist der Unterschied zwischen Monografie und Aufsatz aus Sammelband?

Antwort

Monografie: selbstständiges Buch eines Autors oder mehrerer Autoren. Aufsatz aus Sammelband: einzelner Beitrag in einem von Herausgeber*innen zusammengestellten Band – wird mit in: Herausgeber*in angegeben.

Frage

Ab wann wird die Auflage im Literaturverzeichnis angegeben?

Antwort

Erst ab der 2. Auflage. Die erste Auflage wird nicht angegeben.

Frage

Wie werden Audio-/Videoquellen im Kurzbeleg angegeben?

Antwort

Statt Seitenzahl wird die Zeitangabe verwendet, z.B. (Autor Jahr: 0:15-0:45).

Übungsfragen

Wie wird ein indirektes Zitat im Text kenntlich gemacht?

Was gehört im Kurzbeleg einer Internetquelle NICHT hin?

Welches Schema gilt für Aufsätze aus Zeitschriften im Literaturverzeichnis?

Wie wird eine Quelle gekennzeichnet, wenn dieselbe unmittelbar zuvor bereits zitiert wurde?

Was muss bei mehr als drei Autor*innen im Kurzbeleg beachtet werden?

Sie finden auf einer Webseite keinen Autor und kein Erscheinungsjahr. Was geben Sie im Kurzbeleg an?

Was kennzeichnet einen Aufsatz aus einem Sammelband im Literaturverzeichnis?