Zusammenfassung
Dieses Praktikum vermittelt die Grundlagen des wissenschaftlichen Zitierens und Bibliographierens nach der THM-spezifischen Harvard-Zitierweise. Jeder fremde Gedankengang muss in wissenschaftlichen Arbeiten kenntlich gemacht werden – durch direktes (wörtliches) oder indirektes (sinngemäßes) Zitat mit Kurzbeleg im Text. Die vollständigen Quellenangaben gehören ins Literaturverzeichnis, dessen Format je nach Quellentyp (Monografie, Sammelband, Zeitschrift, Internet) variiert. Literaturverwaltungsprogramme wie Citavi, Zotero oder Mendeley unterstützen bei der Organisation.
Schlüsselbegriffe
Direktes Zitat
Wörtliche, originalgetreue Wiedergabe eines Textes in doppelten Anführungszeichen. Veränderungen am Original werden mit eckigen Klammern [...] gekennzeichnet.
Indirektes Zitat
Sinngemäße Wiedergabe einer Aussage in eigenen Worten, ohne Anführungszeichen. Beginnt im Kurzbeleg mit vgl. – häufiger als wörtliche Zitate.
Kurzbeleg
Quellenangabe direkt im Text nach der Harvard-Zitierweise: (Nachname Jahr: Seite) für direkte und (vgl. Nachname Jahr: Seite) für indirekte Zitate.
Harvard-Zitierweise
Amerikanisches Zitiersystem mit Kurzbelegen im laufenden Text und vollständigen Angaben im Literaturverzeichnis. Wird an der THM verbindlich eingesetzt.
Literaturverzeichnis
Alphabetisch nach Nachnamen sortierte Liste aller zitierten Quellen mit vollständigen bibliografischen Angaben. Im Kurzbeleg steht nur der Verweis.
Monografie
Selbstständige Buchpublikation eines oder mehrerer Autor*innen. Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. [Auflage]. Ort.
Sammelband
Buch mit Beiträgen verschiedener Autor*innen, herausgegeben von Herausgeber*innen (Hrsg.). In der Regel werden einzelne Aufsätze daraus zitiert, nicht der gesamte Band.
ebd. / vgl. ebd.
Abkürzung für ebenda: wird verwendet, wenn dieselbe Quelle unmittelbar wiederholt zitiert wird. Direkt: ebd. – Indirekt: vgl. ebd.
Kernkonzepte
Warum überhaupt zitieren?
In wissenschaftlichen Arbeiten muss jeder Gedankengang, der nicht von der Autorin oder dem Autor selbst stammt, als solcher kenntlich gemacht werden. Dafür gibt es fünf Hauptgründe:
- Anerkennung der Quellen – Autor*innen, deren Ideen verwendet werden, verdienen Anerkennung.
- Glaubwürdigkeit aufbauen – Zitate aus vertrauenswürdigen Quellen belegen, dass die eigenen Argumente auf solider Forschung basieren.
- Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit – Andere können die Arbeit anhand der Quellenangaben prüfen.
- Teilnahme am wissenschaftlichen Diskurs – Zitate verknüpfen die eigene Arbeit mit dem bestehenden Forschungsstand.
- Vermeidung von Plagiaten – Korrekte Zitation ist ethisch unerlässlich.
Klausurrelevant
Jeder fremde Gedanke muss als solcher gekennzeichnet sein – egal ob wörtlich übernommen oder sinngemäß zusammengefasst.
Direktes vs. indirektes Zitat
Direktes, wörtliches Zitat
- Text wird originalgetreu wiedergegeben (inklusive Fehler, alter Rechtschreibung etc.)
- Steht in doppelten Anführungszeichen
- Längere wörtliche Zitate sollten vermieden werden
- Kurzbeleg hinter dem Zitat: (Nachname Jahr: x-x)
- Veränderungen am Original (z.B. grammatische Anpassung) in eckigen Klammern: […]
Beispiel: Taddicken und Schmidt gehen davon aus, dass "[…] vernetzte Individualität [als] ein grundlegendes Muster der Vergesellschaftung [...]" (Taddicken/Schmidt 2016: 5) angesehen wird.
Indirektes, sinngemäßes Zitat
- Aussage wird sinngemäß in eigenen Worten wiedergegeben
- Steht nicht in Anführungszeichen
- Kommt häufiger vor als wörtliche Zitate
- Kurzbeleg am Ende des Satzes, beginnt mit „vgl.": (vgl. Nachname Jahr: x-x)
Tipp
Faustregel: Direkte Zitate sparsam einsetzen – nur wenn der genaue Wortlaut entscheidend ist. Für alles andere gilt das indirekte Zitat.
Kurzbelege im Text (Harvard-System)
Quellen werden nach der amerikanischen Harvard-Zitierweise als Kurzbeleg im Text angegeben:
| Situation | Format |
|---|---|
| 1 Autor*in | (Nachname Jahr: Seite) |
| Mehr als 3 Autor*innen | (Erster Nachname u.a. Jahr: Seite) |
| Direkte Wiederholung derselben Quelle | (ebd.) oder (vgl. ebd.) |
| Mehrere Quellen zu einer Aussage | (vgl. Autor A Jahr: x; vgl. Autor B Jahr: x) |
| Gleicher Autorin, gleiches Jahr | (Autor Jahra: x) und (Autor Jahrb: x) |
Achtung
Internetquellen stehen im Kurzbeleg ohne URL und Abrufdatum – diese Angaben gehören nur ins Literaturverzeichnis.
Besonderheit: Internet- und Audioquellen
- Autor*in: Falls keine Autorin genannt, Institution oder Unternehmen angeben (siehe Impressum)
- Erscheinungsjahr: ggf. Datum der letzten Aktualisierung
- Seitenangabe: Bei PDFs mit Seitenzahl, sonst ohne
- Audio-/Videobeiträge: Statt Seite wird die Zeit angegeben, z.B. (0:15-0:45)
Info
Flüchtige Onlinequellen (z.B. Social-Media-Posts, Webseiten) sollten als Screenshot oder Datei gesichert werden, damit sie bei einer Überprüfung noch nachweisbar sind.
Literaturverzeichnis: Aufbau und Regeln
Das Literaturverzeichnis enthält alle zitierten Quellen mit vollständigen Angaben:
- Alphabetisch nach Nachname sortiert, bei gleicherm Autorin zeitlich aufsteigend
- Angabe: Nachname, Vorname – Erscheinungsjahr – Titel – Erscheinungsort
- Bei Sammelbänden: Herausgeber*in (Hrsg.) + Titel des Sammelwerks
- Bei Zeitschriften: Zeitschriftentitel + Jahrgang/Band + Heftnummer
- Bei Onlinequellen: vollständige URL + Abrufdatum (TT.MM.JJJJ)
- Auflage nur ab der 2. Auflage angeben
- Bei Sammelbänden oder Zeitschriften: Anfangs- und Endseite des Beitrags
Verschiedene Quellentypen: Schemata und Beispiele
Monografie
Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Titel. Untertitel. [Auflage]. Ort.
McLuhan, Marshall (1994): Die magischen Kanäle. 2. Auflage. Dresden, Basel.
Sammelband (Herausgeber*innen-Werk)
Schema: Nachname, Vorname (Hrsg.) (Jahr): Titel. Untertitel. [Auflage]. Ort.
Bruns, Karin/Reichert, Ramon (Hrsg.) (2007): Neue Medien. Texte zur digitalen Kultur und Kommunikation. Bielefeld.
Klausurrelevant
In der Regel zitiert man nur Aufsätze aus Sammelbänden, nicht den ganzen Band. Den Sammelband selbst nur angeben, wenn z.B. das Vorwort der Herausgeber*innen zitiert wird.
Aufsatz aus Sammelband
Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Aufsatztitel, in: Nachname, Vorname (Hrsg.): Titel des Sammelwerks. [Band]. [Auflage]. Ort. Seitenzahl.
Woletz, Julie/Joisten, Martina (2013): Usability-Verfahren zwischen ökonomischen Interessen und Nutzerwünschen, in: Passoth, Jan/Wehner, Jürgen (Hrsg.): Quoten, Kurven und Profile. Zur Vermessung der sozialen Welt. Wiesbaden. S. 169-178.
Aufsatz aus Zeitschrift
Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Aufsatztitel, in: Titel der Zeitschrift. Jahrgang oder Band. Heftnummer. Seitenzahl.
Bernhard, Ulf/Holger, Ingo (2008): Neue Medien – neue Modelle? Überlegungen zur zukünftigen kommunikationswissenschaftlichen Modellbildung, in: Studies in Communication Sciences. Journal of the Swiss Association of Communication and Media Research. Jg. 8. Nr. 2. S. 221-250.
Statistik von Statista (Onlineportal)
Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Titel der Statistik, in: Statista. URL (TT.MM.JJJJ).
Internetquelle (z.B. PDF)
Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Aufsatztitel. Untertitel. URL (TT.MM.JJJJ).
Internetquelle (Portal/Plattform)
Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Video-, Text- oder Bildtitel. Untertitel, in: Website-Portal/Plattform. URL (TT.MM.JJJJ).
App
Schema: Name der App (Jahr des letzten Softwareupdates): aussagekräftiger Titel. Untertitel.
Literaturverwaltungsprogramme
Zur Unterstützung beim Organisieren von Quellen empfehlen sich:
- Citavi – umfassende Software (THM bietet Einführungsveranstaltungen am Lernort+)
- Zotero – kostenfreie Alternative
- Mendeley – kostenfreie Alternative
Achtung
Literaturverwaltungsprogramme erzeugen oft eigene Zitierstile. Immer das Format manuell an die THM-spezifische Harvard-Zitierweise anpassen!
Lernkarten
Übungsfragen
Wie wird ein indirektes Zitat im Text kenntlich gemacht?
Was gehört im Kurzbeleg einer Internetquelle NICHT hin?
Welches Schema gilt für Aufsätze aus Zeitschriften im Literaturverzeichnis?
Wie wird eine Quelle gekennzeichnet, wenn dieselbe unmittelbar zuvor bereits zitiert wurde?
Was muss bei mehr als drei Autor*innen im Kurzbeleg beachtet werden?
Sie finden auf einer Webseite keinen Autor und kein Erscheinungsjahr. Was geben Sie im Kurzbeleg an?
Was kennzeichnet einen Aufsatz aus einem Sammelband im Literaturverzeichnis?