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DMK 1
PraktikumSoSe 26Wissenschaftliche QuellenLiteraturrechercheLiteraturtypenBoolesche OperatorenKI-Recherche

Texte und Quellen

06. Mai 2026DMK 1

Zusammenfassung

Dieses Praktikum behandelt den Umgang mit wissenschaftlichen Texten und Quellen. Im Zentrum stehen die Fragen: Was macht eine Quelle wissenschaftlich? Welche Literaturtypen gibt es und wie werden sie korrekt zitiert? Wie findet man geeignete wissenschaftliche Literatur – sowohl über klassische Bibliothekskataloge als auch mithilfe von KI-Tools? Außerdem wird die Abgrenzung zwischen wissenschaftlichen, populärwissenschaftlichen und journalistischen Quellen erarbeitet sowie der reflektierte Einsatz von KI bei Prüfungsleistungen thematisiert.

Schlüsselbegriffe

Zitierfähigkeit

Eigenschaft einer Quelle, formal zitiert werden zu können — d.h. sie muss auffindbar, zugänglich und eindeutig identifizierbar sein (z.B. durch ISBN, DOI oder URL).

Zitierwürdigkeit

Inhaltliche Eignung einer Quelle für die Verwendung in wissenschaftlichen Arbeiten. Nur Quellen, die wissenschaftlichen Qualitätsstandards genügen (z.B. peer-reviewed), sind zitierwürdig.

Primärliteratur

Originalquelle, mit der direkt gearbeitet werden sollte — z.B. die Studie oder das Werk selbst.

Sekundärliteratur

Literatur von Expert*innen über eine Primärquelle, z.B. Analysen oder Kommentare in Monografien. Man darf daraus keine Originalquellen zitieren, die man nicht selbst eingesehen hat.

Tertiärliteratur

Gesammelte Informationen aus unterschiedlichen Quellen, z.B. in Lehrbüchern oder Enzyklopädien. Dient zur Orientierung, nicht als Beleg in wissenschaftlichen Arbeiten.

Monografie

Selbstständige Buchpublikation eines oder weniger Autor*innen, die ein Thema umfassend und zusammenhängend behandelt.

Sammelband

Buch mit einzelnen Beiträgen (Aufsätzen) verschiedener Autor*innen zu einem gemeinsamen Thema, organisiert von Herausgeber*innen.

Boolesche Operatoren

Logische Verknüpfungen (UND/AND, ODER/OR, NICHT/NOT) zur gezielten Kombination von Suchbegriffen in Datenbanken und Katalogen.

Trunkierung

Abkürzung von Suchbegriffen mit Platzhaltern (? für einen Buchstaben, * für beliebige Endungen), um die Treffermenge zu vergrößern.

Suchwort-Matrix

Systematische Tabelle, in der zu Hauptbegriffen Synonyme, Ober-/Unterbegriffe, verwandte Begriffe und fremdsprachige Entsprechungen gesammelt werden.

Informationsintermediäre

Plattformen und Dienste (z.B. Suchmaschinen, soziale Netzwerke), die zwischen Informationsanbieter*innen und -nutzer*innen vermitteln und dabei Inhalte selektieren und priorisieren.

Kernkonzepte

Organisatorisches: Prüfungsvorleistungen

Im Praktikum müssen drei Prüfungsvorleistungen erbracht werden (mindestens eine Textaufgabe muss bestanden werden, um an der Klausur teilzunehmen):
  1. Text-Test (ab 13.05.): Handschriftliche Einzelarbeit vor Ort. Textaufgabe zu einem unbekannten Text.
  2. Rechercheaufgabe (08.07.): Digitale Abgabe. Schriftliche Vertiefung von Konzepten, Theorien oder Begriffen aus der Vorlesung inkl. wissenschaftlicher Literaturrecherche.
  3. Qualitative Inhaltsanalyse (08.07.): Präsentation vor Ort. Erarbeitung in Gruppen. Entwicklung einer qualitativen Forschungsfrage und Durchführung der Untersuchung.

Was macht Quellen wissenschaftlich?

Nicht alle Quellen eignen sich für wissenschaftliche Arbeiten. Es kommt auf zwei Kriterien an:
  1. Zitierfähigkeit — Die Quelle ist formal auffindbar und identifizierbar
  2. Zitierwürdigkeit — Die Quelle erfüllt inhaltliche Qualitätsstandards
Klausurrelevant
Wissenschaftliche Aussagen müssen sieben Anforderungen erfüllen: Sie müssen nicht-trivial, relevant, vorläufig, überprüfbar und nachvollziehbar sein. Vermutete Zusammenhänge werden nicht bewiesen, sondern erhärtet. Und sie bauen stets auf dem bestehenden Stand des Wissens auf.

Abgrenzung: Wissenschaftlich vs. populärwissenschaftlich vs. journalistisch

KriteriumWissenschaftlichPopulärwissenschaftlichJournalistisch
DefinitionSystematische, methodisch kontrollierte Forschung, nachvollziehbar & überprüfbarVermittelt Forschung verständlich für ein breites PublikumBerichtet über Ereignisse, Meinungen, Debatten
FormatePeer-Review-Artikel, Fachbücher, DissertationenWissenschaftsmagazine, populärwiss. Bücher, DokusZeitungsartikel, Blogs, Nachrichtenportale
BeispieleNature, Journal of Communication, Springer-MonografieSpektrum der Wissenschaft, Stephen HawkingSüddeutsche Zeitung, Spiegel Online
Tipp
Faustregel zur Einordnung: Ist die Autorenschaft klar gekennzeichnet, basieren Aussagen auf Forschung, und sind Argumente durch Quellen nachvollziehbar belegt? Dann gilt die Quelle als zuverlässig.

Primär-, Sekundär- und Tertiärliteratur

  • Primärliteratur: Die Originalquelle — damit sollte gearbeitet werden
  • Sekundärliteratur: Expertenliteratur über Primärquellen (z.B. Monografien)
  • Tertiärliteratur: Gesammelte Informationen aus verschiedenen Quellen (z.B. Lehrbücher)
Achtung
Aus Sekundärliteratur dürfen keine Originalquellen zitiert werden, die man nicht selbst eingesehen hat. Immer die Primärquelle aufsuchen!

Literaturtypen und ihre Zitationsschemata

Monografie

Ein Werk – ein Thema – eine oder wenige Autorinnen. Durchgehender Aufbau ohne Autor*innenwechsel.
Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Buchtitel. Untertitel. [ggf. Auflage]. Erscheinungsort.
McLuhan, Marshall (1994): Die magischen Kanäle. 2. Auflage. Dresden, Basel.

Sammelband / Aufsatz aus Sammelband

Einzelne Beiträge verschiedener Autorinnen zu einem gemeinsamen Thema, organisiert von Herausgeberinnen.
Schema (Aufsatz): Nachname, Vorname (Jahr): Aufsatztitel, in: Nachname, Vorname (Hrsg.): Titel des Sammelwerks. [ggf. Bandangabe]. [ggf. Auflage]. Erscheinungsort. Seitenzahl.
Woletz, Julie/Joisten, Martina (2013): Usability-Verfahren zwischen ökonomischen Interessen und Nutzerwünschen, in: Passoth, Jan/Wehner, Jürgen (Hrsg.): Quoten, Kurven und Profile. Zur Vermessung der sozialen Welt. Wiesbaden. S. 169-178.
Klausurrelevant
In der Regel zitiert man nur Aufsätze aus Sammelbänden, nicht den gesamten Band. Den Sammelband selbst nur angeben, wenn z.B. das Vorwort der Herausgeber*innen zitiert wird.

Artikel aus Fachzeitschriften

Kurze, spezifische Forschungsbeiträge — oft aktuelle Forschung, meist peer-reviewed.
Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Aufsatztitel, in: Titel der Zeitschrift. Jahrgang oder Band. Heftnummer. Seitenzahl.
Bernhard, Ulf/Holger, Ingo (2008): Neue Medien – neue Modelle?, in: Studies in Communication Sciences. Jg. 8. Nr. 2. S. 221-250.

Literaturrecherche: Wo und wie suchen?

Wo suchen?

Suchstrategie: Most Specific First

Mit dem fachspezifischsten Begriff beginnen und sich von dort aus erweitern:
  1. Welcher Begriff hat den größten Fachbegriffs-Charakter?
  2. Anhaltspunkte: Skripte, erste Themenrecherche, Mindmaps
  3. Dann: Suchwort-Matrix anlegen

Suchwort-Matrix

Zu jedem Hauptbegriff werden systematisch erfasst:
KategorieBeispiel „Shitstorm"Beispiel „Fake News"
SynonymeEmpörungswelleDesinformation
OberbegriffeReaktionDysfunktionale Onlinekommunikation
UnterbegriffeTwitter ShitstormLügenpresse
Verwandte BegriffeHate Speech, Flame WarPropaganda, Falschnachricht
Andere Sprachen
Achtung
Aus Lexika und Lehrbüchern keine Begriffsdefinitionen in wissenschaftlichen Texten belegen. Sie dienen nur zur Begriffserweiterung für die Suchwort-Matrix.

Trunkierungen

  • ? (Fragezeichen) ersetzt einen Buchstaben → Analy?e findet „Analyze" und „Analyse"
  • * (Stern) deckt verschiedene Endungen ab → Medien* findet „Medientheorie", „Medienkultur", „Medientechnologie" usw.

Boolesche Operatoren

  • UND / AND — Alle Suchbegriffe müssen vorhanden sein (Schnittmenge)
  • ODER / OR — Mindestens einer der Begriffe muss vorkommen (Vereinigung)
  • NICHT / NOT — Begriffe werden explizit ausgeschlossen
Tipp
In der erweiterten Suche arbeiten und einen Suchbegriff unter Verfasser, Titel oder Schlagwort eingeben. In Datenbanken zuerst nach dem Titel der Zeitschrift suchen. Unter dem Reiter „und mehr" finden sich auch einzelne Artikel aus Sammelbänden und Zeitschriften.

Exkurs: KI bei Prüfungsleistungen

Grenzen von ChatGPT

  • Begrenzte Tiefe und Breite — kein Zugriff auf spezialisierte Fachliteratur
  • Fehlende Überprüfbarkeit — Quellen werden erfunden oder ungenau angegeben
  • Keine Qualitätsbewertung — unterscheidet nicht sicher zwischen wissenschaftlich und nicht-wissenschaftlich
  • Halluzinationen — ungenaue oder irreführende Informationen, die schwer zu erkennen sind
  • Probleme bei Kurzbelegen — Seitenzahlen oft ungenau oder frei erfunden

Was ChatGPT kann und was nicht

✅ Kann❌ Kann (noch) nicht
Texte erstellen, kürzen, paraphrasierenKorrekt rechnen
Programmierungsaufgaben lösenBelastbar zitieren
Brainstorming und Suchbegriffe vorschlagenSachverhalte moralisch abwägen
Mehrere Lösungen für ein Problem entwickelnNicht-online-verfügbare Literatur verarbeiten
Klausurrelevant
Faustregel: Wenn Sie die Information relativ einfach selbst herausfinden können, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ChatGPTs Antwort belastbar ist. Für wissenschaftliche Literaturarbeit gilt: KI ist eine nützliche Hilfe, nimmt aber nicht die Arbeit ab.

Zulässigkeit von KI in DMK 1

AnwendungZulässig?Kenntlichmachung?
Brainstorming, Themenvorschläge, GliederungsentwürfeNein
Recherche und erste Hinweise zu Literatur (Vorstufe zur Originallektüre)Nein
Zusammenfassung des Forschungsstands, Texte generieren⚠️Ja, gemäß THM-Empfehlung
Bilder, Grafiken, Code, Mockups etc. generieren⚠️Ja, gemäß THM-Empfehlung
Datenanalyse und Auswertung⚠️Ja, gemäß THM-Empfehlung
Textfeedback, Rechtschreibprüfung, ÜbersetzungNein

KI-Tools für die Literaturrecherche

Semantic Scholar

Wissenschaftliche Suchmaschine speziell für Forschungsartikel.
  • Gezielte Suche nach Artikeln (Stichworte, Autor*innen, Themen)
  • Zeigt Abstracts und Kernaussagen („Key Points")
  • Macht Zitationen und Einfluss von Artikeln sichtbar
  • Schlägt verwandte Forschung automatisch vor
Info
Kein Zugriff auf alle Volltexte — häufig nur Abstracts verfügbar. URL: https://www.semanticscholar.org

Research Rabbit

Visualisiert Zusammenhänge zwischen wissenschaftlichen Studien.
  • Findet ähnliche und verwandte Artikel
  • Schneeballprinzip über Vorwärts-/Rückwärtszitierungen
  • Stellt Forschungsfelder als Netzwerke visuell dar
  • Empfiehlt neue, relevante Studien
Info
Ergebnisse dienen zur Erweiterung der Recherche, nicht als alleinige Grundlage. URL: https://researchrabbitapp.com

Humata

KI-Tool zur Arbeit mit hochgeladenen PDFs.
  • Fasst Inhalte zusammen
  • Beantwortet Fragen zum Text
  • Findet wichtige Textstellen
  • Erklärt komplexe Inhalte einfacher
Achtung
Humata liefert keine Informationen über das hochgeladene Dokument hinaus und ermöglicht keine Anschlussrecherche. Ergebnisse immer im Originaldokument gegenchecken! Freie Version: max. 60 Seiten/Monat.

Fazit: KI in der Literaturrecherche

Wo KI hilft:
  • Einstieg in die Recherche durch Suchbegriffe und Überblick
  • Schnelles Finden von Literatur
  • Überblick über Themengebiete und Forschungsstränge
  • Verstehen von Konzepten und Theorien
Was man trotzdem selbst können muss:
  • Relevante von irrelevanter Literatur unterscheiden
  • Texte selbst lesen und verstehen
  • Inhalte kritisch hinterfragen
  • Argumente nachvollziehen und einordnen
Klausurrelevant
Text- und Leseverständnis sind nach wie vor zentrale Kompetenzen im wissenschaftlichen Arbeiten! KI ist ein hilfreiches Tool — aber kein Ersatz für das selbstständige Denken.

Lernkarten

Frage

Was ist der Unterschied zwischen Zitierfähigkeit und Zitierwürdigkeit?

Antwort

Zitierfähigkeit = formale Eigenschaft: Die Quelle ist auffindbar und identifizierbar (z.B. ISBN, DOI, URL). Zitierwürdigkeit = inhaltliche Eigenschaft: Die Quelle erfüllt wissenschaftliche Qualitätsstandards (z.B. peer-reviewed, methodisch fundiert).

Frage

Was unterscheidet Primär-, Sekundär- und Tertiärliteratur?

Antwort

Primärliteratur: Originalquelle (z.B. die Studie selbst). Sekundärliteratur: Expertenliteratur über eine Primärquelle (z.B. Analyse in einer Monografie). Tertiärliteratur: Gesammelte Informationen aus verschiedenen Quellen (z.B. Lehrbuch, Enzyklopädie).

Frage

Was ist eine Monografie und wie wird sie zitiert?

Antwort

Ein Werk von einem/wenigen Autor*innen, das ein Thema umfassend und zusammenhängend behandelt. Schema: Nachname, Vorname (Jahr): Buchtitel. Untertitel. [ggf. Auflage]. Erscheinungsort.

Frage

Wie zitiert man einen Aufsatz aus einem Sammelband?

Antwort

Nachname, Vorname Autor*in (Jahr): Aufsatztitel, in: Nachname, Vorname Hrsg. (Hrsg.): Titel des Sammelwerks. [ggf. Auflage]. Erscheinungsort. Seitenzahl. Man zitiert in der Regel nur den Aufsatz, nicht den gesamten Band.

Frage

Was sind Boolesche Operatoren und welche drei gibt es?

Antwort

Logische Verknüpfungen für Suchanfragen: UND/AND = alle Begriffe müssen vorhanden sein (Schnittmenge). ODER/OR = mindestens ein Begriff muss vorkommen (Vereinigung). NICHT/NOT = Begriff wird ausgeschlossen.

Frage

Was ist eine Suchwort-Matrix?

Antwort

Eine systematische Tabelle, in der zu jedem Hauptbegriff Synonyme, Oberbegriffe, Unterbegriffe, verwandte Begriffe und fremdsprachige Entsprechungen gesammelt werden, um die Suchstrategie zu erweitern.

Frage

Was bedeutet die Strategie 'Most Specific First'?

Antwort

Man beginnt die Literaturrecherche mit dem fachspezifischsten Begriff und erweitert die Suche dann schrittweise. Anhaltspunkte liefern Skripte, erste Internetrecherchen und Mindmaps.

Frage

Welche drei spezialisierten KI-Tools für die Literaturrecherche wurden vorgestellt?

Antwort

1) Semantic Scholar: wissenschaftliche Suchmaschine für Forschungsartikel. 2) Research Rabbit: visualisiert Zusammenhänge zwischen Studien (Schneeballprinzip). 3) Humata: KI-gestützte Analyse hochgeladener PDFs.

Frage

Welche Anforderungen müssen wissenschaftliche Aussagen erfüllen?

Antwort

Wissenschaftliche Aussagen müssen nicht-trivial, relevant, vorläufig, überprüfbar und nachvollziehbar sein, auf dem bestehenden Stand des Wissens aufbauen und vermutete Zusammenhänge erhärten statt beweisen.

Frage

Was sind Trunkierungen bei der Literaturrecherche?

Antwort

Platzhalter in Suchbegriffen: ? ersetzt einen einzelnen Buchstaben (Analy?e → Analyze, Analyse). * deckt verschiedene Wortendungen ab (Medien* → Medientheorie, Medienkultur, Medientechnologie usw.).

Übungsfragen