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DMK 1
VorlesungWiSe 26/27IntroEinführungMedienKommunikationÖffentlichkeit

DMK 1 – Intro

14. Oktober 2026DMK 1

Schlüsselbegriffe

Medium

Vom Lateinischen 'Mitte', 'Vermittelndes', 'etwas, das in der Mitte steht' (Beck 2020: 86). Alltagssprachlich: Kommunikationsmittel. Der Plural 'Medien' meint seit den 1980ern die Gesamtheit aller Kommunikationsmittel und Kommunikationsorganisationen.

Multidiskursives Konzept

Der Medienbegriff wird in verschiedenen Disziplinen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet; jede Definition lässt sich als zu spezifisch oder zu allgemein kritisieren.

Kommunikation (Pürer 2001: 2)

Komplexer, interaktiver Prozess, zwischenmenschlich oder medienvermittelt. Im weiteren Sinne Informationsübertragung und Bedeutungszuweisung, im engeren Sinne zwischenmenschliche Kontaktaufnahme; verbale oder nonverbale Interaktion durch Zeichen und Symbole.

Massenkommunikation

Besondere Form der Humankommunikation, die auf technische Medien angewiesen ist (Merten 1977).

Öffentlichkeit (Habermas 1992: 436)

Gesellschaftliches Netzwerk öffentlicher Kommunikation, in dem Inhalte, Meinungen und Stellungnahmen ausgetauscht und zu öffentlichen Meinungen verdichtet werden; ein grundsätzlich offener Kommunikationsraum.

Teilöffentlichkeit

Öffentlichkeit, die sich nach Gruppen, Institutionen, Interessen oder politischer Ausrichtung abgrenzt und situativ und temporär entstehen kann.

Gegenöffentlichkeit

Stellt dominante Entscheidungen, Normen und Werte infrage und kann gesellschaftlichen Wandel anstoßen, z. B. Friedens-, Umwelt- und LGBTQI-Bewegungen.

Erkenntnistheorie

Philosophischer Bereich, dem die Frage des Höhlengleichnisses zuzuordnen ist: Wie erkennen wir die Welt, und ist die wahrgenommene Welt die reale?

Platons Höhlengleichnis

Die wahrgenommene Welt ist nicht unbedingt die reale, sondern nur ein Abbild davon; die eigene Wahrnehmung kann eine Scheinwahrnehmung sein. Für die Vermittlung braucht es Medien, auch Menschen können als Medium dienen.

Subanimalische Kommunikation

Kommunikation zwischen Organismen bzw. Substanzen: technische oder naturwissenschaftliche Erscheinungen (Merten 1977).

Animalische Kommunikation

Kommunikation zwischen Lebewesen: Tier–Tier oder Mensch–Tier (Merten 1977).

Humankommunikation

Kommunikation zwischen Menschen, verbal und nonverbal (Merten 1977).

Dreiklang Medien – Kommunikation – Öffentlichkeit

Kommunikation geht nicht ohne Medien, Medien funktionieren nicht ohne Kommunikation, und (Massen-)Medien und (Massen-)Kommunikation benötigen Öffentlichkeit (Klaus et al. 2025).

Kernkonzepte

Was sind Medien?

Definition (Beck 2020: 86): Vom Lateinischen her bedeutet Medium "Mitte", "Vermittelndes" oder schlicht "etwas, das in der Mitte steht".
  • Viele Disziplinen fragen: "Was sind Medien?" oder abgeschwächt: "Wann bzw. warum ist etwas ein Medium?"
  • Daraus entstehen viele Definitionen. Jeder lässt sich vorwerfen, zu spezifisch oder zu allgemein zu sein.
  • Alltagssprache: Medium = Kommunikationsmittel.
  • Plural "Medien" bezeichnet etwa seit den 1980er-Jahren die Gesamtheit aller Kommunikationsmittel und Kommunikationsorganisationen.
Merke
Der Medienbegriff ist ein multidiskursives Konzept. Verschiedene Disziplinen betrachten ihn aus unterschiedlichen Perspektiven.
Medien vs. Medien
  • Radio, soziale Netzwerke, Websites und Briefe sind Medien. Sie bilden aber immer nur einen Ausschnitt ab, der nie ganz aktuell ist.
  • Medien sind Voraussetzung von Kommunikation, denn Kommunikation braucht ein Medium. Sie sind zugleich Ergebnis von Kommunikationsprozessen.
  • Medien und Kommunikation brauchen immer einen Raum: die Öffentlichkeit.
Beispiele aus der Vorlesung: Sprache, Brief, Zeitungen, Zeitschriften, Presse, Radio, Film, Videos, Musik, Podcast, E-Mail, Webseiten, Messenger, Games, Online-Communities, soziale Netzwerke (Instagram, TikTok, Facebook, LinkedIn).

Platons Höhlengleichnis und Medien

Grundaussage
  • Die wahrgenommene Welt ist nicht unbedingt die "reale" Welt. Wir sehen nur eine Wahrnehmung oder ein Abbild davon. Das ist eine Frage der Erkenntnistheorie.
  • Die Art der Abbilder bzw. Wahrnehmungen bestimmt unsere Auffassung von der Welt. Diese Auffassung ist unter Umständen schwer zu vermitteln.
  • Für diese Vermittlung braucht es Medien. Auch Menschen selbst können als Medium dienen.
  • Platon: Die eigene Wahrnehmung kann eine Scheinwahrnehmung sein.
Menschen vermitteln durch Kommunikation.

Was ist Kommunikation?

Definition (Pürer 2001: 2), sinngemäß:
  • Kommunikation ist ein komplexer, interaktiver Prozess. Sie kann zwischenmenschlich oder medienvermittelt erfolgen.
  • Im weiteren Sinne bedeutet Kommunikation Informationsübertragung und Bedeutungszuweisung.
  • Im engeren Sinne bedeutet sie zwischenmenschliche Kontaktaufnahme.
  • Kommunikation ist eine wichtige Kategorie sozialen Handelns.
  • Sie ist verbale oder nonverbale Interaktion, vermittelt durch Zeichen und Symbole.
Hierarchische Unterscheidung nach Merten (1977: 94ff)
  1. Subanimalische Kommunikation: zwischen Organismen bzw. Substanzen. Gemeint sind technische oder naturwissenschaftliche Erscheinungen.
  2. Animalische Kommunikation: zwischen Lebewesen, also Tier–Tier oder Mensch–Tier.
  3. Humankommunikation: zwischen Menschen, verbal und nonverbal.
  4. Massenkommunikation: eine besondere Form der Humankommunikation. Ein Kennzeichen ist, dass sie auf technische Medien angewiesen ist.

Was ist Öffentlichkeit?

Definition nach Habermas (1992: 436), sinngemäß: Öffentlichkeit ist ein gesellschaftliches Netzwerk öffentlicher Kommunikation. Darin werden Inhalte, Meinungen und Stellungnahmen ausgetauscht und zu öffentlichen Meinungen verdichtet. Sie ist ein grundsätzlich offener Kommunikationsraum, in dem gesellschaftlich relevante Themen wahrgenommen, diskutiert und ausgehandelt werden.
Kernpunkte (Klaus et al. 2025: 27)
  • Öffentlichkeit ist ein demokratisches Prinzip. Sie ermöglicht Bürger:innen Teilhabe und Mitgestaltung am Staatswesen.
  • Je nach Theorie gilt sie als System, Raum oder gesellschaftlicher Prozess.
  • Teilöffentlichkeiten grenzen sich nach Gruppen, Institutionen, Interessen oder politischer Ausrichtung ab. Sie können sich situativ und temporär bilden.
  • Gegenöffentlichkeiten stellen dominante Entscheidungen, Normen und Werte infrage und können gesellschaftlichen Wandel anstoßen. Beispiele: Friedens-, Umwelt- und LGBTQI-Bewegungen.
Merke
Öffentlichkeit ist kein Ort und kein bestimmtes Publikum. Sie entsteht durch öffentliche Kommunikation.
Hickethier (2010: 210–211): Alle Räume der Öffentlichkeit sind durch Kommunikation definiert. Etwas "öffentlich machen" heißt meist, Themen, Inhalte oder Botschaften in einen Raum der gesellschaftlichen Kommunikation einzubringen.

Der Dreiklang: Medien – Kommunikation – Öffentlichkeit

(Klaus et al. 2025: 13ff)
  • Alle drei Begriffe sind komplex und werden je nach Perspektive unterschiedlich definiert.
  • In der Kommunikationswissenschaft gehören sie zusammen:
    • Kommunikation geht nicht ohne Medien.
    • Medien funktionieren nicht ohne Kommunikation.
    • (Massen-)Medien und (Massen-)Kommunikation benötigen Öffentlichkeit.

Lernkarten

Frage

Woher kommt der Begriff Medium und was bedeutet er wörtlich?

Antwort

Aus dem Lateinischen: „Mitte“, „Vermittelndes“ bzw. „etwas, das in der Mitte steht“. (Beck 2020: 86)

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