Zusammenfassung
Das interne Rechnungswesen (ReWe) liefert die Zahlen für unternehmerische Entscheidungen. Es ermittelt und stellt wert- und mengenmäßige Informationen zur betrieblichen Leistungserstellung bereit — ohne gesetzliche Vorgaben, ausschließlich für interne Adressaten.
Die Kalkulation gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Teilrechnungen: Kostenartenrechnung (Welche Kosten?), Kostenstellenrechnung (Wo?) und Kostenträgerrechnung (Wofür?).
Schlüsselbegriffe
Kosten
Für kalkulatorische Zwecke anzusetzende Aufwandsäquivalente — insbesondere aus dem Verbrauch und der Inanspruchnahme von Gütern im Rahmen der gewöhnlichen, betriebszweck- und periodenbezogenen Tätigkeit.
Einzelkosten
Kosten, die einem Kostenobjekt über Belege eindeutig zugerechnet werden können (z. B. Fertigungslöhne, Rohstoffe).
Gemeinkosten
Kosten, die einem Kostenobjekt nicht eindeutig zugerechnet werden können. Zurechnung erfolgt über einen Schlüssel (Mengen- oder Wertgröße).
Fixe Kosten
Kosten, die sich innerhalb eines Beschäftigungsintervalls nicht ändern, wenn sich die Beschäftigung (Produktionsmenge) ändert (z. B. Miete, Gehälter der Geschäftsleitung).
Variable Kosten
Kosten, die sich mit der Beschäftigung ändern (z. B. Fertigungslöhne, Rohstoffe).
Kostenstelle
Teilbereich eines Unternehmens, dessen Kosten erfasst, geplant und kontrolliert werden. Unterscheidung: Vorkostenstellen (erbringen Leistungen für andere Stellen) und Endkostenstellen (dienen der Erstellung der Kostenträger).
Kostenträger
Objekte, auf die bestimmte Kosten verteilt werden — in der Regel Produkte. Die Kostenträgerrechnung ermittelt die Selbstkosten.
Deckungsbeitrag (DB)
DB = Umsatzerlöse − variable Selbstkosten. Der Beitrag eines Kostenträgers zur Deckung der fixen Kosten.
Break-Even-Punkt
Die Absatz-/Produktionsmenge, bei der die Kosten durch die Umsatzerlöse genau gedeckt sind (Gewinn = 0). Berechnung: x_Be = K_f / (p − k_v).
Gemeinkostenwertschlüssel
Verteilungsschlüssel zur indirekten Zuweisung von Gemeinkosten auf Kostenstellen oder Kostenträger auf Basis von Wertgrößen (z. B. Materialeinzelkosten).
Selbstkosten
Die Summe aller Kosten, die für die Herstellung, Verwaltung und den Vertrieb eines Produkts oder einer Dienstleistung anfallen.
Grundlagen des internen Rechnungswesens
Klausurrelevant
Das interne Rechnungswesen unterliegt keinerlei gesetzlichen Vorgaben — im Gegensatz zum externen Rechnungswesen (Jahresabschluss, HGB). Es richtet sich ausschließlich an interne Stakeholder (Eigenkapitalgeber, Arbeitnehmer, Management).
Die Kernaufgabe ist die Ermittlung und Bereitstellung von Informationen über wert- und mengenmäßige Größen, um die betriebliche Leistungserstellung zu steuern.
Teilbereiche des internen ReWe
| Teilbereich | Zweck | In BWL 1 behandelt |
|---|---|---|
| Kostenrechnung / Kalkulation | Ermittlung der Selbstkosten je Produkt | Ja (Schwerpunkt) |
| Erfolgsrechnungen | Gewinn/Verlust des Betriebs | Ja (Deckungsbeitrag) |
| Entscheidungsrechnungen | Zukunftsorientierte Entscheidungen | Ja (Break-Even) |
| Kontrollrechnungen | Soll-Ist-Vergleiche | Nein |
| Betriebsstatistik | — | Nein |
Die Kostenrechnung beantwortet die Kernfrage: Welche Kosten hat ein Produkt? — über drei aufeinander folgende Schritte:
Kostenartenrechnung → Kostenstellenrechnung → Kostenträgerrechnung
(Welche?) (Wo?) (Wofür?)
Einzelkosten fließen direkt zur Kostenträgerrechnung; Gemeinkosten durchlaufen die Kostenstellenrechnung, um über Schlüssel auf die Kostenträger verteilt zu werden.
A – Kostenartenrechnung
Kostenermittlung
Kostenarten werden ermittelt aus:
- Externem Rechnungswesen → Grundkosten
- Kostenartenrechnung → Zusatzkosten (insbesondere kalkulatorische Abschreibungen und Zinsen)
Die Kostenhöhe wird über Bewertungsmethoden bestimmt, die Untergliederung über Kostenartenpläne (aus der Praxis, keine festen Vorgaben).
Üblicher Kostenartenplan:
- Materialkosten
- Personalkosten
- Abschreibungen
- Fremdleistungskosten
- Wagniskosten
- Zinsen
- Steuern, Gebühren, Abgaben
Kostencharakterisierung: Einzel- vs. Gemeinkosten
Info
Der Unterschied liegt in der Zurechenbarkeit zu einem Kostenobjekt (Produkt oder Kostenstelle), nicht in der absoluten Kostenhöhe.
- Einzelkosten: eindeutig zurechenbar über Belege (z. B. Rohstoffe, Fertigungslöhne)
- Gemeinkosten: nicht eindeutig zurechenbar → Schlüssel erforderlich (z. B. Miete, Zinsen, Versicherungen)
- Unechte Gemeinkosten: Zurechenbarkeit wäre möglich, ist aber unwirtschaftlich → Zurechnung trotzdem über Schlüssel (z. B. Hilfsstoffe wie Schrauben, Strom)
In der Kostenstellenrechnung entstehen nochmals zwei Ebenen:
- Kostenstelleneinzelkosten: können Kostenstellen direkt zugerechnet werden (z. B. Gehälter von Mitarbeitern)
- Kostenstellengemeinkosten: indirekte Zurechnung über Mengen- oder Wertschlüssel (z. B. Miete über Fläche, Steuern über Umsatzerlös)
Kostencharakterisierung: Fixe vs. variable Kosten
Maßstab für die Unterscheidung ist die Beschäftigung (bei Produktionsunternehmen: Ausbringungsmenge; bei Dienstleistungsunternehmen: Mitarbeiterzahl).
| Kostentyp | Verhalten bei steigender Beschäftigung | Beispiele |
|---|---|---|
| Fixe Kosten | Konstant | Büromiete, Büroausstattung, Versicherung, Abschreibungen |
| Variable Kosten | Steigen an | Fertigungslöhne, Rohstoffe (Autoteile) |
Differenzierte Kostenverläufe:
- Fixer Verlauf: konstant über gesamtes Intervall
- Intervall-/Sprungfixer Verlauf: fix bis zur Kapazitätsgrenze, dann Sprung (z. B. Abschreibungen bei Maschinenkapazität)
- Proportionaler Verlauf: linear steigend
- Degressiver Verlauf: steigend, aber mit abnehmender Steigung (z. B. Mengenrabatte bei Rohstoffen)
Kostenfunktion
Klausurrelevant
Die lineare Kostenfunktion ist das zentrale Rechenwerkzeug für Erfolgsrechnungen und Break-Even-Analysen:
K(x) = K_f + k_v × x
- K(x) = Gesamtkosten [€]
- K_f = Fixe Kosten [€] — Schnittpunkt mit der y-Achse
- k_v = Variable Stückkosten [€/Stück] — Steigung der Funktion
- x = Beschäftigung [Stück]
Kostenarten im Detail
Materialkosten
- Rohstoffe, Waren → Einzelkosten
- Hilfsstoffe, Betriebsstoffe → Gemeinkosten
- Bewertung zum Anschaffungspreis oder Wiederbeschaffungspreis
- Mengenverbrauch z. B. über Inventur ermittelt
Personalkosten
- Lohnkosten: Fertigungslöhne (Einzelkosten), Hilfslöhne (Gemeinkosten)
- Gehaltskosten: Gehälter + Personalzusatzkosten (Nebenkosten, Prämien, Zulagen) → Gemeinkosten
- Kalkulatorischer Unternehmerlohn: wenn Unternehmer kein Gehalt bezieht, wird es trotzdem angesetzt → Gemeinkosten
Abschreibungen — kalkulatorische Abschreibungen, in der Regel Gemeinkosten
Lineare Abschreibung: gleichmäßige Verteilung des Wertverlustes über die Nutzungsdauer.
Abschreibungsbetrag (A) = AHK oder HK / Nutzungsjahre (n)
Beispiel: AHK 60 TEUR, Nutzungsdauer 4 Jahre → A = 15.000 € p. a.
Degressive (geometrisch-degressive) Abschreibung: höherer Wertverlust in frühen Jahren.
Abschreibungsbetrag_t = (p × Restbuchwert_(t-1)) / 100
Steuerrechtlich i. d. R. nicht zulässig, für interne Kostenrechnung aber erlaubt.
Beispiel: AHK 60 TEUR, Abschreibungssatz 30 %:
| Jahr | Abschreibung | Restbuchwert |
|---|---|---|
| 1 | 18.000 € | 42.000 € |
| 2 | 12.600 € | 29.400 € |
| 3 | 8.820 € | 20.580 € |
| 4 | 6.174 € | 14.406 € |
Sonstige Kosten (alle Gemeinkosten)
- Fremdleistungskosten: Inanspruchnahme externer Dienstleistungen (Reinigung, Miete, Leasing, Reparaturen)
- Wagniskosten: Berücksichtigung von Einzelrisiken (Transportschäden, Verlust von Anlagegütern)
- Zinsen: Fremdkapitalzinsen und kalkulatorische Zinsen auf das im Betrieb gebundene Eigenkapital
- Steuern, Gebühren, Abgaben
B – Kostenstellenrechnung
Ziel: Gemeinkosten auf die Kostenstellen verteilen, um daraus Kalkulationssätze für die Kostenträgerrechnung abzuleiten.
Strukturierung von Kostenstellen
- Vorkostenstellen (Hilfskostenstellen): erbringen Leistungen für andere Kostenstellen (z. B. Kantine, Wartung)
- Endkostenstellen: dienen der Erstellung der Kostenträger (z. B. Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb)
Typische Hierarchie: Unternehmen → Werke → Betriebe → Kostenbereiche → Kostenstellen → Kostenplätze
Betriebsabrechnungsbogen (BAB)
Der BAB ist das Kalkulationsschema der Kostenstellenrechnung. Vorgehen in drei Schritten:
Schritt 1 – Primäre Gemeinkosten auf Kostenstellen umlegen:
Kostenstelleneinzelkosten direkt zuordnen; Kostenstellengemeinkosten proportional zum Umlageschlüssel verteilen.
Betrag je Kostenstelle = (Schlüsselwert Kostenstelle / Summe aller Schlüsselwerte) × Gesamte Gemeinkosten
Primäre Gemeinkosten je Kostenstelle = Kostenstelleneinzelkosten + zugeteilte Kostenstellengemeinkosten
Schritt 2 – Sekundäre Gemeinkosten (Treppenverfahren):
Kosten der Vorkostenstellen werden auf Endkostenstellen umgelegt (innerbetriebliche Leistungsverrechnung). In BWL 1 nicht vertieft.
Schritt 3 – Kalkulationssätze bestimmen:
Aus den primären (+ sekundären) Gemeinkosten der Endkostenstellen werden Kalkulationssätze gebildet, die in der Kostenträgerrechnung verwendet werden.
Kalkulationssatz = Zu verrechnende Kosten / Bezugsbasis
C – Kostenträgerrechnung
Ziel: Ermittlung der Selbstkosten (= alle Kosten bei Produktion und Absatz eines Kostenträgers).
Kalkulationssatz = Zu verrechnende Kosten / Bezugsbasis
- Verrechnungssatz: Bezugsbasis ist eine Mengengröße (z. B. Absatzstückzahl)
- Zuschlagssatz: Bezugsbasis ist eine Wertgröße (z. B. Löhne)
Divisionskalkulation
Info
Einfachste Art der Kostenträgerrechnung — nur für Einproduktunternehmen oder sehr ähnliche Produkte geeignet. Keine Kostenstellenrechnung erforderlich.
Gleichmäßige Verteilung der Gesamtkosten auf alle Kostenträger:
V_S = K / Σ(X_Kostenträger_i × 1)S_k (Selbstkosten je Stück) = V_S × 1
Beispiel – MyAuto GmbH produziert Flizzy 1 (85.000 Stück) und Flizzy 2 (40.000 Stück), Gesamtkosten 1.023.450 T€:
V_S = 1.023.450 T€ / (85.000 + 40.000) Stück = 8.187,60 € je Stück
Summarische Zuschlagskalkulation
Variante der Zuschlagskalkulation, typisch für die Medienbranche. Gemeinkosten werden als pauschaler Prozentaufschlag auf die Summe der Einzelkosten (= Nettofertigungskosten) aufgeschlagen.
Aufschläge für TV-Beitragsproduktion (Erfahrungswerte):
| Nettofertigungskosten | Aufschlagssatz |
|---|---|
| bis 25.000 € | 13,5 % |
| bis 50.000 € | 11,0 % |
| bis 150.000 € | 8,5 % |
| über 150.000 € | 7,5 % |
Kalkulationsschema Film: Einzelkosten (Rechte, Gagen/Honorare, Atelier, Ausstattung, Reise, Materialbearbeitung, Endfertigung, allg. Kosten, Versicherung) = Nettofertigungskosten + Gemeinkosten (Handlungskosten) = Selbstkosten + Gewinnzuschlag = Nettopreis + Versand/Vertrieb/Vermarktung + MwSt = Bruttopreis.
Ermittlung des Verkaufspreises
Klausurrelevant
Die Preisermittlung erfolgt stufenweise aufwärts aus den Selbstkosten. Alle mit fetter Schrift markierten Größen sind Ergebnisse; die übrigen sind gegebene Sätze.
| Schritt | Formel |
|---|---|
| 1. Barverkaufspreis | Selbstkosten × (1 + Gewinnaufschlagssatz) |
| 2. Zielverkaufspreis | Barverkaufspreis / (1 − Skontosatz) |
| 3. Nettoverkaufspreis | Zielverkaufspreis / (1 − Rabattsatz) |
| 4. Bruttoverkaufspreis | Nettoverkaufspreis × (1 + Umsatzsteuersatz) |
Beispiel (Selbstkosten 313,20 €, Gewinn 10 %, Skonto 3 %, Rabatt 10 %, USt 19 %):
| Position | Wert |
|---|---|
| Selbstkosten | 313,20 € |
| Barverkaufspreis | 344,52 € |
| Zielverkaufspreis | 355,18 € |
| Nettoverkaufspreis | 394,64 € |
| Bruttoverkaufspreis | 469,62 € |
Tipp
Der Barverkaufspreis bestimmt die langfristige Preisuntergrenze, da er sowohl fixe als auch variable Kosten plus Gewinn deckt.
Erfolgsrechnungen – Deckungsbeitragsrechnung
Deckungsbeitrag
DB = Umsatzerlöse (U) − variable Selbstkosten (k_v)
Der Deckungsbeitrag ist der Beitrag eines Kostenträgers zur Deckung der fixen Kosten. Fixkosten fließen in die Deckungsbeitragsrechnung nicht direkt ein (Teilkostenbasis).
Erfolg (Gewinn) = DB_gesamt − K_f
oder äquivalent:
Erfolg = Umsatzerlöse − variable Selbstkosten − Fixe Kosten
Anwendung
- Beurteilung der Rentabilität einzelner Produkte
- Grundlage für Entscheidungsrechnungen (Break-Even, Preisuntergrenze)
Entscheidungsrechnungen
Ziel: Auf Basis der Kostenrechnung zukünftige Entscheidungen treffen. Es werden ausschließlich entscheidungsrelevante Kosten betrachtet; Entscheidungsgröße ist der Deckungsbeitrag bzw. die Selbstkosten.
Break-Even-Analyse (Gewinnschwellenanalyse)
Klausurrelevant
Ziel: Die Absatz-/Produktionsmenge bestimmen, bei der die Kosten durch die Umsatzerlöse genau gedeckt sind (Gewinn = 0).
x_Be = K_f / (p − k_v) mit DB = p − k_v
- x_Be = Break-even-Menge [Stück]
- K_f = Fixe Kosten [€]
- p = Verkaufspreis [€/Stück]
- k_v = variable Stückkosten [€/Stück]
- DB = Deckungsbeitrag pro Stück [€/Stück]
Im Graphen: Schnittpunkt von Umsatzfunktion und Kostenfunktion. Links davon Verlust, rechts davon Gewinn.
Beispiel – Buchprojekt: K_f = 20.000 €, k_v = 20 €/Exemplar, p = 40 €/Exemplar
DB = 40 − 20 = 20 €/Stück x_Be = 20.000 € / 20 €/Stück = 1.000 Exemplare
Preisbestimmung (Preisgrenzen)
Preisobergrenze für Einkaufspreise: Wenn durch den eingekauften Einsatzstoff das Produkt gerade alle variablen Kosten deckt, aber nicht die Fixkosten.
Preisuntergrenzen für Verkaufspreise:
- Langfristige Preisuntergrenze = Selbstkosten (deckt fixe + variable Kosten)
- Kurzfristige Preisuntergrenze = Variable Selbstkosten (deckt Fixkosten nicht, aber besser als Produktionsstopp)
Lernkarten
Übungsfragen
Welche Kosten können einem Kostenträger direkt zugerechnet werden?
Eine Maschine kostet 80.000 € (AHK), hat eine Nutzungsdauer von 4 Jahren und keinen Liquidationserlös. Wie hoch ist die jährliche lineare Abschreibung?
Fixe Kosten: 50.000 €, variabler Stückkostenanteil: 5 €, Verkaufspreis: 15 €. Wie hoch ist die Break-Even-Menge?
Was kennzeichnet die kurzfristige Preisuntergrenze?
Welche Aussage zur Divisionskalkulation ist korrekt?
Wie lautet die Formel zur Berechnung der Selbstkosten im Rahmen der summarischen Zuschlagskalkulation?
Was ist der Unterschied zwischen Vorkostenstellen und Endkostenstellen?