Zusammenfassung
Diese Übung befasst sich mit den Grundlagen des externen Rechnungswesens. Sie behandelt den Inhalt des handelsrechtlichen Jahresabschlusses, die Funktionsweise und Gliederung der Bilanz (Aktiva/Passiva), unterschiedliche Typen von Bilanzänderungen anhand konkreter Geschäftsvorfälle, den Aufbau einer Kapitalflussrechnung sowie die Erfolgsermittlung in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV).
Schlüsselbegriffe
Jahresabschluss
Der rechnerische Abschluss eines Geschäftsjahres. Er dokumentiert die finanzielle Lage und den Erfolg des Unternehmens und besteht mindestens aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV).
Aktivseite (Aktiva)
Die linke Seite der Bilanz. Sie zeigt die Mittelverwendung (Vermögensaufbau), aufgeteilt in Anlagevermögen (langfristig) und Umlaufvermögen (kurzfristig).
Passivseite (Passiva)
Die rechte Seite der Bilanz. Sie zeigt die Mittelherkunft (Finanzierung), aufgeteilt in Eigenkapital und Fremdkapital (Schulden).
Aktiv-Passiv-Mehrung
Eine Bilanzänderung, bei der sowohl die Aktivseite (Vermögen) als auch die Passivseite (Eigen- oder Fremdkapital) um denselben Betrag steigen. Die Bilanzsumme erhöht sich.
Aktiv-Passiv-Minderung
Eine Bilanzänderung, bei der sowohl ein Posten der Aktivseite als auch ein Posten der Passivseite um denselben Betrag sinken. Die Bilanzsumme verringert sich.
Aktivtausch
Eine Bilanzänderung, bei der sich nur Posten auf der Aktivseite ändern (ein Aktivposten steigt, ein anderer sinkt). Die Bilanzsumme bleibt unverändert.
Cashflow (Kapitalfluss)
Der Nettozufluss oder -abfluss liquider Mittel in einer Periode. Er wird in Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit und Finanzierungstätigkeit untergliedert.
Aufgaben & Lösungen
Aufgabe 3.1: Bestandteile des Jahresabschlusses
Frage: Was kann alles Bestandteil eines Jahresabschlusses sein?
- Geschäftsvorfälle (Nein: Diese werden fortlaufend in der Buchführung aufgezeichnet, sind aber kein separater Bestandteil des veröffentlichten Jahresabschlusses).
- Bilanz (Ja: Gesetzlicher Pflichtbestandteil für alle Kaufleute gemäß § 242 Abs. 1 HGB).
- Kosten- und Leistungsrechnung (Nein: Die KLR gehört zum internen Rechnungswesen und wird nicht veröffentlicht).
- Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) (Ja: Gesetzlicher Pflichtbestandteil für alle Kaufleute gemäß § 242 Abs. 2 HGB).
- Kapitalflussrechnung (Ja: Pflichtbestandteil des Jahresabschlusses von kapitalmarktorientierten Unternehmen sowie Konzernen gemäß § 264 Abs. 1 HGB / § 297 Abs. 1 HGB).
- Lagebericht (Ja: Zwar rechtlich kein direkter Bestandteil des Jahresabschlusses im engeren Sinne, muss jedoch von mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften zwingend zusammen mit diesem aufgestellt und veröffentlicht werden).
Antwort: Die Posten 2, 4, 5 und 6 können Bestandteil des Jahresabschlusses bzw. des Berichterstattungspakets sein.
Aufgabe 3.2: Grundlagen der Bilanz
Frage: Welche Behauptungen zur Bilanz sind richtig?
- Die Bilanz zeigt auf der Sollseite das Vermögen, auf der Habenseite die Schulden. (Falsch: Soll und Haben sind Bezeichnungen für T-Konten in der Buchführung. Die Bilanzseiten heißen Aktiva und Passiva).
- Die Bilanz ist ein Kernelement des handelsrechtlichen Jahresabschlusses. (Richtig: Sie bildet zusammen mit der GuV das Fundament des Jahresabschlusses).
- Die Bilanz muss auf der Aktivseite Anlage- und Umlaufvermögen getrennt ausweisen. (Richtig: Dies verlangt das Prinzip der Fristenkongruenz und Strukturierung gemäß § 247 Abs. 1 HGB).
- Die Bilanz zeigt auf der Aktivseite die Mittelverwendung, auf der Passivseite die Mittelherkunft. (Richtig: Aktiva = Was für Vermögenswerte wurden gekauft?; Passiva = Woher stammte das Geld dafür?).
- Die Bilanz zeigt die Unternehmensentwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr. (Falsch: Die Bilanz ist eine stichtagsbezogene Bestandsrechnung (Zeitpunktsbetrachtung). Den zeitlichen Verlauf des Erfolgs zeigt die GuV (Zeitraumrechnung)).
Antwort: Aussagen 2, 3 und 4 sind richtig.
Aufgabe 3.3: Bilanzänderungen
Aufgabe: Bestimmen Sie für die drei Geschäftsvorfälle den Typ der Bilanzänderung und die beiden betroffenen Bilanzposten.
| Geschäftsvorfall | Typ der Bilanzänderung | Bilanzposten 1 | Bilanzposten 2 |
|---|---|---|---|
| (1) Zahlung von Zinsen (z. B. 1.000 €) | Aktiv-Passiv-Minderung (Erfolgswirksam) | Bank (Aktivposten, sinkt um 1.000 €) | Eigenkapital (Passivposten, sinkt über Zinsaufwand um 1.000 €) |
| (2) Kauf von Werkstoffen auf Rechnung (z. B. 5.000 €) | Aktiv-Passiv-Mehrung (Erfolgsneutral) | Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe (Aktivposten, steigt um 5.000 €) | Verbindlichkeiten a.L.L. (Passivposten, steigt um 5.000 €) |
| (3) Zielverkauf von fertigen Erzeugnissen (z. B. VK: 10.000 €, HK: 6.000 €) | Aktiv-Passiv-Mehrung & Aktiv-Passiv-Minderung (Zwei-Stufen-Buchung) | Forderungen a.L.L. (Aktivposten, steigt um 10.000 €) / Eigenkapital (Passivposten, steigt um 10.000 € Umsatzerlös) | Fertigerzeugnisse (Aktivposten, sinkt um 6.000 € Herstellkosten) / Eigenkapital (Passivposten, sinkt um 6.000 € Bestandsminderung) |
Hinweis zu (3): Im vereinfachten Schulmodell wird der Verkauf fertiger Erzeugnisse auf Ziel manchmal auch saldiert als Aktivtausch (Forderungen steigen, fertige Erzeugnisse sinken zum Buchwert) plus Aktiv-Passiv-Mehrung für den Gewinnanteil dargestellt. Buchhalterisch korrekt sind es jedoch zwei getrennte, erfolgswirksame Buchungen (Ertragsbuchung und Bestandsabgangsbuchung).
Eigene erstellte Geschäftsvorfälle:
- Geschäftsvorfall: Kunde bezahlt eine offene Rechnung über 2.000 € per Banküberweisung.
- Typ: Aktivtausch (Erfolgsneutral)
- Bilanzposten 1: Bank (Aktivposten, steigt um 2.000 €)
- Bilanzposten 2: Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Aktivposten, sinkt um 2.000 €)
- Geschäftsvorfall: Tilgung eines langfristigen Bankdarlehens in Höhe von 10.000 € per Banküberweisung.
- Typ: Aktiv-Passiv-Minderung (Erfolgsneutral)
- Bilanzposten 1: Bank (Aktivposten, sinkt um 10.000 €)
- Bilanzposten 2: Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (Passivposten, sinkt um 10.000 €)
Aufgabe 3.4: Kapitalfluss-Geschäftsvorfälle
Aufgabe: Bestimmen Sie für die obigen Geschäftsvorfälle (1)-(3), ob und welcher Cashflowposten sich ändert (Steigt/Sinkt).
- Zahlung von Zinsen für Bankverbindlichkeiten:
- Auswirkung: Ändert den Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit (Betrieblicher Cashflow).
- Richtung: Sinkt (Auszahlung). Zinsen für Kredite werden im operativen Bereich ausgewiesen.
- Kauf von Werkstoffen gegen Banküberweisung:
- Auswirkung: Ändert den Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit.
- Richtung: Sinkt (Auszahlung für Vorräte).
- Zielverkäufe von fertigen Erzeugnissen (Zahlungsziel 30 Tage):
- Auswirkung: Keine Auswirkung auf die Finanzmittel der aktuellen Periode.
- Begründung: Da die Zahlung erst in 30 Tagen erfolgt, entsteht eine Forderung, aber noch kein Liquiditätszufluss (Auszahlung/Einzahlung). Erst bei Zahlungseingang erhöht sich der betriebliche Cashflow.
Aufgabe 3.5: Cashflow-Verständnis
Frage: Welche Behauptungen sind richtig?
- Ein negativer Cashflow besagt, dass die Auszahlungen der Periode höher waren als die Einzahlungen. (Richtig: Liquiditätsabfluss war größer als Liquiditätszufluss).
- Die Cashflow-Rechnung dient zur Bestimmung des Gewinns eines Unternehmens. (Falsch: Der Gewinn wird in der GuV als Differenz von Ertrag und Aufwand bestimmt. Der Cashflow spiegelt die reine Liquiditätsveränderung wider).
- Der Cashflow kann einen negativen oder positiven Wert aufweisen. (Richtig: Positiver Cashflow = Mittelzufluss; negativer Cashflow = Mittelabfluss).
- Ein negativer Cashflow muss in der Folgegeschäftsperiode ausgeglichen werden. (Falsch: Ein negativer Cashflow ist kein bilanzieller Verlust. Er verringert lediglich die liquiden Mittel. Solange genügend Liquiditätsreserven vorhanden sind, führt dies nicht sofort zu Problemen).
Antwort: Aussagen 1 und 3 sind richtig.
Aufgabe 3.6: Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
Frage: Welche Behauptungen zur GuV sind richtig?
- Zentrale Frage, die die GuV beantwortet, ist: „Wie hat sich das Vermögen verändert?“ (Falsch: Dies beantwortet die Bilanz. Die GuV beantwortet: „Welchen Erfolg (Gewinn/Verlust) hat das Unternehmen erwirtschaftet und wie setzt sich dieser zusammen?“).
- In der GuV werden Einzahlungen & Auszahlungen miteinander „verrechnet“. (Falsch: Hier werden Erträge und Aufwendungen verrechnet. Einzahlungen/Auszahlungen gehören in die Kapitalflussrechnung).
- In der GuV werden Erträge & Aufwände miteinander „verrechnet“. (Richtig: Erträge minus Aufwände = Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag).
- Erträge & Aufwände verändern den Posten „Eigenkapital“ der Bilanz. (Richtig: Ein Jahresüberschuss (Gewinn) erhöht das Eigenkapital, ein Jahresfehlbetrag (Verlust) mindert das Eigenkapital).
- Zu den Aufwänden zählen Personalaufwände, Materialaufwände und Umsatzerlöse. (Falsch: Umsatzerlöse sind Erträge, keine Aufwände).
- Umsatzerlöse stellen Erträge dar. (Richtig: Sie sind die wichtigste Ertragsquelle eines Betriebs).
- Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit umfasst Betriebsergebnis und Finanzergebnis. (Richtig: Das neutrale/außerordentliche Ergebnis wird gesondert erfasst).
- Wenn die Umsatzerlöse steigen, entsteht ein Jahresüberschuss. (Falsch: Steigen gleichzeitig die Aufwendungen stärker als die Erträge, kann trotz Umsatzwachstum ein Verlust entstehen).
- Im Jahresüberschuss sind die Steuern bereits abgezogen. (Richtig: Der Jahresüberschuss ist der bilanzielle Nettogewinn nach Abzug aller Aufwendungen, inklusive Steuern).
- Teile des Jahresüberschusses können an Unternehmenseigner ausgeschüttet werden. (Richtig: Z. B. als Dividende bei Aktiengesellschaften oder Gewinnentnahme bei GmbHs).
Antwort: Die Aussagen 3, 4, 6, 7, 9 und 10 sind richtig.
Aufgabe 3.7: GuV-Geschäftsvorfälle
Aufgabe: Bestimmen Sie für jeden Geschäftsvorfall, ob er sich auf die GuV auswirkt (wenn ja, welcher Posten und Auswirkung auf den Bilanzgewinn).
- Zahlung von Zinsen für Bankverbindlichkeiten:
- Auswirkung: Ja, wirkt sich aus (Erfolgswirksam).
- GuV-Posten: Zinsaufwand (Finanzergebnis).
- Auswirkung auf Bilanzgewinn: Verringerung (Aufwand schmälert den Gewinn).
- Kauf von Werkstoffen gegen Banküberweisung:
- Auswirkung: Nein, wirkt sich im Zeitpunkt des Kaufs nicht aus (Erfolgsneutraler Aktivtausch).
- Begründung: Das Geld auf dem Bankkonto wird durch einen gleichwertigen Vorrat an Werkstoffen ersetzt. Erst bei Verbrauch der Werkstoffe in der Produktion entsteht Materialaufwand, der die GuV mindert.
- Zielverkäufe von fertigen Erzeugnissen (Zahlungsziel 30 Tage):
- Auswirkung: Ja, wirkt sich aus (Erfolgswirksam).
- GuV-Posten: Umsatzerlöse (Erträge aus dem Verkauf).
- Auswirkung auf Bilanzgewinn: Erhöhung (Ertrag steigert den Gewinn).
Übungsfragen
Welcher der folgenden Vorgänge ist erfolgswirksam und verändert den Gewinn in der GuV?
Wie wirkt sich ein Zielverkauf von Waren im Zeitpunkt der Lieferung auf die Bilanz und die GuV aus?