THM Notes
BWL 1
VorlesungSoSe 2026

08 Unternehmensorganisation

01. April 2026BWL 1
Info
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BWL1: Grundlagen und Unternehmens- software
Unternehmens- Organisation
Lernziele
▪ Sie kennen die Grundlagen der Ablauf- und Aufbauorganisation ▪ Sie können Geschäftsprozessarten unterscheiden und erste Prozessketten bilden ▪ Sie kennen die unterschiedlichen Bestandteile („Stellen“) einer Aufbauorganisation ▪ Sie können Organigramme verstehen und einfache Organigramme selbst erstellen
„Jedes Unternehmen (Startups und etablierte Unternehmen) muss sich eine Struktur geben, um zu funktionieren!“
Übersicht: Unternehmensorganisation Synonyme/ verwandte Begriffe: Organisationslehre, Organisation
Aufbau- Ablauf- Grundlagen organi- organi- sation sation
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer- Poeschel, Kapitel 7
Organisation
Grundlagen
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer- Poeschel, Kapitel 7
Die zwei Sichten der Organisation
• Funktionale Sicht: „bedeutet die zielorientierte ganzheitliche Gestaltung von Prozesse und Strukturen innerhalb von Betrieben“ → Organisation als Gestaltung („das Organisieren“) • Institutionelle Sicht: Organisation als Ergebnis dieser Tätigkeit → die Organisation
oder es geht beim Leitet sich aus dem Begriff Organisation ORGANISATION Begriffs Organismus um eine bestimmte ab Handlung
Ein einheitliches, gegliedertes Das planmäßige ordnende (lebendiges) Ganzes Gestalten steht im Mittelpunkt
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Teilbereiche der Unternehmensorganisation
=Ablauforganisation
Klimmer, M.(2018). Unternehmensorganisation. Herne, nwb-Verlag
Unternehmensorganisation
Aufbau- Ablauf- Grundlagen organi- organi- sation sation
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer- Poeschel, Kapitel 7
Die Ablauforganisation (=Prozessorganisation)
Klimmer, M.(2018). Unternehmensorganisation. Herne, nwb-Verlag
Bildung von Prozessen
Unter einem Prozess, der auch als Arbeitsprozess oder Aufgabenerfüllungsprozess bezeichnet wird, wird…
▪ die zielgerichtete Erstellung einer Leistung
▪ durch eine Folge von logisch zusammenhängenden Arbeitsgängen beziehungsweise Aktivitäten verstanden,
▪ die innerhalb einer Zeitspanne
▪ nach bestimmten Regeln durchgeführt wird.
Darstellung als Ablaufdiagramme, Prozesslandkarten ….:
Arbeitsgang 1 Arbeitsgang 2 Arbeitsgang 3
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Merkmale von Prozessen
Einheit im Unternehmen die für diesen Prozess verantwortlich ist
Personen, Software, Arbeitsgeräte
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Arten von Prozessen
Primäre Sekundäre Geschäftsprozesse: Geschäftsprozesse: (Kernprozess) (Supportprozess)
 Direkter Beitrag zur  Sicherstellung der Wertschöpfung der Betriebsbereitschaft Produkte  Und Unterstützung  Auf Erstellung und Absatz primärer Prozesse der Produkte gerichtet  Kein unmittelbarer Marktbezug  z.B. Logistik, Produktion, Vertrieb, Service  z.B. Planung, Beschaffung, Finanzierung
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Wertkettenmodell nach Porter Sekundäre (unterstützende) Geschäftsprozesse
(IT)
Input Output
Güter Produkte/ durch Dienstleistun Lieferanten gen an die Kunden
Primäre Geschäftsprozesse
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Bildung von Prozessketten
Mehrere Prozesse werden zu Prozessketten zusammengefasst
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Verknüpfungsarten von Prozessen
UND-Verknüpfungen
Auslösende Verknüpfung Erzeugende Verknüpfung
Symbol für UND
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Verknüpfungsarten von Prozessen
ODER-Verknüpfungen Symbol für ODER
inklusives ODER
Bedingung XODER-Verknüpfungen
XODER XODER = = exklusives exklusives ODER ODER
Symbol für exklusives ODER
Übung: Prozesskette
Folgende Prozesse und Organisationseinheiten sind gegeben: Aufgabe: Stellen Sie die richtige Reihenfolge der Prozesse fest (Ablauforganisation) und geben Sie zu jedem Prozess die verantwortliche Abteilung an. Hinweis: eine Abteilung kann auch für mehrere Prozesse verantwortlich sein.
Abteilungen Prozesse • Lager • Waren entgegennehmen • Rechnungswesen • Rechnung prüfen und freigeben (zur • Einkauf Zahlung) • Zahlungseingang des Kunden • Logistik entgegennehmen • Vertrieb • Waren bestellen • Wareneingang • Eingangsrechnung entgegennehmen • Auftrag entgegennehmen • Zahlungsausgang an Lieferanten Abteilung A Abteilung B … durchführen • Lieferschein erstellen Prozess 1 Prozess 2 … • Auslieferung der Produkte
Übung: Prozessdiagramm „Beschwerdemanagement “
Erstellen Sie ein Prozessdiagramm „Beschwerdemanagement“ Aktivitäten (Task) Die Firma Ruco betreibt eine zentrale Telefon-Hotline, um die Beschwerden der Kunden im Hinblick auf die Produkte aufzunehmen.
Nach dem Anruf eines Kunden Exklusives Oder (XOR) bpmn.io aktualisiert der Hotline-Sachbearbeiter Bedingung A im System zunächst die Daten des Kunden. Danach öffnet der Mitarbeiter den Kundendialog. Dort erfasst er die Start- Produktnummer und gibt eine Ereignis Fehlerbeschreibung ein. Bedingung B Im Folgenden überprüft der Hotline- Sachbearbeiter in der Datenbank, ob Parallel (UND) bereits Einträge zur geschilderten Fehlerbeschreibung existieren. Wenn Einträge existieren, versucht er mit dem Anrufer das Problem zu lösen. Wenn End- nicht, leitet er das Problem an den Ereignis technischen Support weiter.
Prof. Dr.-Ing. Armin Wagenknecht 24 Seite Unternehmensorganisation
Aufbau- Grundlagen organi- sation
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer- Poeschel, Kapitel 7
Die Aufbauorganisation
Klimmer, M.(2018). Unternehmensorganisation. Herne, nwb-Verlag
Bildung von Organisationseinheiten
Organisationseinheiten
sind
Sämtliche organisatorischen Elemente die durch die
▪ dauerhafte Zuordnung von Teilaufgaben ▪ auf eine oder mehrere existierende oder gedachte Personen entstehen.
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Merkmale von Organisationseinheiten
Dauerhafte Aufgabenbündelung Übertragung von auszuführenden Teilaufgaben
Versachlichter Personenbezug Anpassung der Teilaufgaben an das Leistungs- vermögen gedachter Personen (Stelleninhaber)
Kompetenzzuweisung z.B. Befugnis über Budget von 100 Rechte und Befugnisse TEUR zu verfügen
Verantwortungszuweisung Für Folgen von Entscheidungen und Handlungen einstehen
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Arten von Organisationseinheiten
Organisationseinheiten mit temporärer oder dauerhafter Zuordnung von Teilaufgaben zu mehreren Personen z.B. Arbeitsgruppe, Leitungsgruppe
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Arten von Organisationseinheiten - Stellen
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Grundlagen zu Stellen
▪ Stellen sind Organisationseinheiten, ▪ die durch die dauerhafte Zuordnung von Teilaufgaben ▪ auf eine existierende oder gedachte Person entstehen.
Stelle 1 Stelle 2 Stelle 3 ▪ Arten von Stellen ▪ Linienstellen ▪ Unterstützende Stellen
Organisationseinheit
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Linienstellen: Leitungsstellen
Linienstellen: Einbindung in die direkten Bereiche (= Erbringung der marktbezogenen Kernleistung) des Unternehmens z.B. Produktion Leitungsstellen • auch Instanzen Mit Fremdentscheidungs- und Weisungskompetenzen ausgestattete Stellen • Disziplinarische Weisungsbefugnisse Personalentscheidungen, Urlaub, Kontrolle, Dienstreise- • Fachliche Weisungsbefugnisse Genehmigung
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Linienstellen: Ausführungsstellen
Ausführungsstellen: • Stellen ohne Weisungskompetenzen Kompetenz nur für eigenen Verantwortungsbereich • Ausführung von Entscheidungen
Unterste Ebene der Hierarchie
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Unterstützende Stellen
Stabs- und Assistenzstellen Zuordnung zum indirekten sind Leitungsstellen direkt zur Bereich des Unternehmens Unterstützung und Entlastung zugeordnet Dienen nur mittelbar der Erstellung Kernleistungen des Unternehmens
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Stabsstellen
Spezialisierte Leitungshilfsstellen
▪ Beratungsfunktionen und fachbezogene Aufgaben
▪ Ohne Fremdentscheidungs- und Weisungskompetenzen Praxisbeispiele: Unternehmensplanung, Public ▪ Immer an eine Leitungsstelle gebunden Relations
▪ Vorbereitung von Entscheidungen, Kontrolle von deren Realisierung
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Assistenzstellen
Generalisierte Leitungshilfsstellen
▪ Wechselnde generelle Aufgaben
▪ Ohne Fremdentscheidungs- und Weisungskompetenzen
▪ z.B. Sekretariate, Vorstandsassistenten
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Dienstleistungsstellen
Spezialisierte Stellen
Dienstleistungsstellen können auch Abteilungsgröße haben
Synonyme ▪ Zentralstellen, Zentralabteilungen, Servicestellen, Service-Center
▪ Zentrale Unterstützungsaufgaben für mehrere Leitungsstellen ▪ Richtlinienkompetenz ▪ Fachliche Weisungsbefugnisse gegenüber Linienstellen ▪ z.B. Zentralcontrolling, Zentrale Dienstreiseabrechnung
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Unternehmensorganisation
Aufbau- Grundlagen organi- sation
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer- Poeschel, Kapitel 7
Abteilungen in einer Aufbauorganisation
Organisationseinheiten werden im Zuge der Abteilungsbildung zur Aufbauorganisation zusammengefasst
Eine Abteilung ist eine ▪ unbefristete Unterstellung von ▪ einer oder mehreren Organisationseinheiten ▪ unter eine gemeinsame Leitungsstelle. Gremien wie Arbeitsgruppen oder Projektgruppen werden nicht im Organigramm dargestellt
Grafische Darstellung: Organigramm → nächste Folie … Im Organigramm auch i.d.R. Personennamen, nur Stellen!
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Beispiel eines Organigramms
Nauer 1993, S. 147ff
Gestaltungshinweise zu Organigrammen
▪ Klarheit und Einfachheit: Das Organigramm sollte leicht verständlich und einfach sein. Vermeiden Sie übermäßige Details, um eine klare Hierarchie zu gewährleisten. ▪ Richtige Symbole und Formen: Verwenden Sie konsistente Symbole und Formen für die verschiedenen Positionen oder Abteilungen, um die Lesbarkeit zu verbessern. ▪ Korrekte Hierarchie: Stellen Sie sicher, dass die Hierarchie genau wiedergegeben wird. Höher positionierte Mitarbeiter sollten über den unteren positionierten Mitarbeitern stehen. ▪ Leserorientierung: Richten Sie das Organigramm so aus, dass es für den Betrachter leicht zu lesen ist. Normalerweise wird die Hierarchie von oben nach unten und von links nach rechts dargestellt. ▪ Farbcodierung und Design: Verwenden Sie Farben und Designelemente, um verschiedene Abteilungen oder Funktionen voneinander abzuheben. Achten Sie darauf, dass das Design nicht zu überladen wird. ▪ Legende hinzufügen: Falls erforderlich, fügen Sie dem Organigramm eine Legende hinzu, um Symbole und Abkürzungen zu erklären.
Strukturierungsebenen einer Aufbauorganisation
Organisationsformen unterschieden nach Anzahl der Strukturierungsmerkmale
▪ Eindimensionale Organisationsform ▪ Ein Strukturierungsmerkmal ▪ → Funktionale Organisation ▪ → Divisionale Organisation
▪ Mehrdimensionale Organisationsform ▪ Zwei Strukturierungsmerkmale → Matrixorganisation ▪ Drei und mehr Strukturierungsmerkmale → Tensororganisation In BWLIS 1 nicht behandelt
Vahs, D.(2015). Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Eindimensionale Organisationsformen: Funktional
▪ Strukturierung nach betrieblichen Funktionen ▪ Verbreitung der Organisationsform: kleine u. mittlere Unternehmen mit homogenem, kleinen Produktprogramm Kaum oder wenige unterschiedliche Produkte ▪ Überschaubare Struktur ▪ Klar definierte/ abgegrenzte Aufgaben und Kompetenzen
Funktionale Organisation
Straub nach Bleicher (1991), S. 389
Eindimensionale Organisationsformen: Divisional
▪ Strukturierung nach: Produkten, Kunden, Regionen … ▪ Verbreitung: meist größere Unternehmen mit heterogenem Produktprogramm Viele unterschiedliche Produkte ▪ Selbstständigkeit der Divisionen/ Sparten ▪ Ermöglicht bessere Ausrichtung auf Erfordernisse von Markt und Wettbewerb
Divisionale Organisation
Vahs, D.(2015). Organisation. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Strukturierungsmerkmale divisionale Organisationen
Vahs, D.(2015). Organisation. Stuttgart, Schäffer-Poeschel
Praxisbeispiel Alphabet: Nach Produkten
Zweidimensionale Org.-form: Matrixorganisation Beispiel mit Strukturierungsmerkmalen ▪ Zwei Strukturierungsmerkmale: Regionen und Segmente z.B. Regionen und Produkte ▪ Aufteilung der Leitungsfunktion (→ Mehrliniensystem) ▪ Hohe Flexibilität ▪ Unterstützt ganzheitl. innovative Problem- lösungen
▪ Aber: ▪ Kompetenz- abgrenzung schwierig ▪ Schnittstellenkonflikte
Vahs, D.(2015). Organisation. Stuttgart, Schäffer-Poeschel